madeagain
d a s m a r i l l i o n m a g a z i n v o n t h e w e b g e r m a n y
no. 56 09 / 15
ON THE ROCK AGAIN NIGHT OF THE PROG LORELEY | A CUP OF TEA WITH
ROTHERY STEVE ROTHERY IM INTERVIEW | MARILLION WEEKEND 2015
IT S A KIND OF MAGIC
| LUCY - INTERVIEW MIT MARILLIONS CO-MANAGERIN
...UND VIELES MEHR


THE VOICE OF MARILLION
n
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MONTAG 7. DEZ. 2015, 20 Uhr
Harmonie BONN
Tickets:
www.huboonline.com
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Nur noch wenige
Tickets verfgbar


made again 3
Liebe Webbies,
ein langer, schner, ereignisreicher Som-
mer neigt sich seinem Ende zu, und auch
wir von TWG bringen endlich wieder ein
neues Magazin zum Abschluss. Ausgabe
56 hat deshalb so lange auf sich warten
lassen, weil sie das fetteste Magazin
darstellt, das wir je herausgebracht
haben, und die allerneuesten Informa-
tionen enthlt, welche bei Drucklegung
bekannt waren bzw. bereits bekannt-
gegeben werden durften;-).
Dieses fast 100 Seiten starke Magazin
bringt Euch also auf den neuesten Stand
der Entwicklungen auf dem Planeten
Marillion. Wieder einmal blicken wir zu-
rck und auch nach vorn: Hinter uns
liegen nicht nur drei sehr verschiedene
Marillion Weekends, die wir aus unter-
schiedlichen Perspektiven, nein, in un-
terschiedlichen Retrospektiven beleuch-
ten und von denen jedes auf seine
Art einzigartig war, sondern auch ein
Loreley-Festival (Night of the Prog), bei
dem ein Highlight das andere ablste
und das wir daher auch noch einmal
ausfhrlich Revue passieren lassen.
Auerdem haben wir die Gelegenheit
genutzt, Steve Rothery in einem Inter-
view zu seinen Erinnerungen an die
Loreley, zu seinem aktuellen Band-
projekt, zum neuen Marillionalbum,
Marillions Tourplnen, seinem kurz vor
der Verffentlichung stehenden Foto-
buch und noch einigen anderen Themen
zu befragen. Seine Antworten findet Ihr
ab Seite 12.
Darber hinaus lsst uns Lucy Jordache
in einem beraus interessanten Inter-
view einen Blick hinter die Kulissen ihres
Arbeitsalltags werfen. Wir erfahren, was
genau ihre Aufgaben sind, wie Entschei-
dungen innerhalb und mit der Band ge-
troffen werden, welche Motive fr die
Marillos im Vordergrund stehen und
noch vieles mehr. Auch blicken wir zu-
rck auf Marillions bislang (leider?) er-
folgreichstes Album Misplaced Child-
hood, das in diesem Jahr sein 30jhriges
Jubilum feiert. Dieses Ereignis wurde
von Fish bei seinem Auftritt auf der
Loreley bereits gebhrend gewrdigt
und wird im kommenden Herbst auch
von der Steve Rothery Band mit einer
Reihe von Konzerten ausgiebig zele-
briert werden zwei davon in Deutsch-
land; siehe Seite 20. Fritz Vennemann,
Mitbegrnder des ersten deutschen
Marillion-Fanclubs, erinnert sich in sei-
nem Bericht an die Zeiten, als Kreide-
herzen schmolzen, der Lavendel blhte
und alle sich eines Heart of Lothian be-
rhmten. Do you remember?
Nach vorn schauen wir jedoch auch auf
die TWG Mitgliederversammlung, die
dieses Jahr wieder einmal in Kln statt-
findet, und zwar genau zwischen den
beiden Deutschlandkonzerten der Steve
Rothery Band. Einem freakigen Wochen-
ende steht somit nichts mehr im Wege!
Die Einladung findet Ihr auf Seite 89.
Und schlielich geht das Jahr nicht zu
Ende, ohne dass wir uns ganz traditio-
nell kurz vor Weihnachten noch einmal
bei einem ganz besonders schnen
Event treffen knnen: Nach langer Zeit
gibt Steve Hogarth sich erneut mit ei-
nem h natural-Konzert in Deutschland
die Ehre (siehe links). Warum also nicht
ein, zwei Tage Urlaub nehmen, tagsber
den Bonner Weihnachtsmarkt erkunden
und abends ein hautnahes und ganz
bestimmt wieder beflgelndes, humor-
volles und berhrendes Konzerterlebnis
genieen? Aber Achtung: Das Konzert
ist bereits so gut wie ausverkauft, wer
noch dabei sein mchte, sollte sich also
beeilen!
Wo immer wir uns wiedersehen Gele-
genheit gibt es ja genug ob in Rssels-
heim, Kln oder Bonn, wir freuen uns
auf Euch! Bis dahin habt eine schne
Zeit,
Euer Web Germany-Team
e
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it
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r
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4 made again
On the Rock again
Night of the Prog Festival 2015 Loreley
A cup of tea with Rothery
Entspanntes Interview bei einem Glschen Tee
STEVE ROTHERY BAND
Zwei weitere Konzerte im Herbst in Deutschland
It s a kind of magic
Marillion Weekend 2015 in Port Zlande
Drahtseilakt in Neverland
Die Marbles-Nacht mit einigen Tcken
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56


made again 5
30 Jahre Misplaced Childhood
Das Album, das alles vernderte...
damals anno 1985
LONELY ROBOT Please Come Home
Ein Album mit ,,invited guest Steve Hogarth
Einladung zur
TWG-Mitgliederversammlung
Alle Jahre wieder in Kln
Impressum | Wir danken
At the end of the bar
Eine hchst unterhaltsame Nachbetrachtung
zum Weekend in Holland
Zum fnften Mal in Port Zlande
CenterParcs Mitarbeiter und ihre Erfahrungen
Less AND more
Das Weekend in Wolverhampton
Lucy Die Kunst des Managements
Was wir immer schon mal wissen wollten
Marillion Weekend Montreal
8 gute Grnde, nach Kanada zu reisen
42
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89
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6 made again
Rock
again
On the


made again 7
er Freitag ging es fr mich erst
mal mig los. Zunchst galt
es noch, Brtchen zu verdie-
nen. Bei der Anfahrt am
Nachmittag ber die A61 bin
ich natrlich noch in einem
ausgedehnten Stau gelandet.
Von den Acts wrde ich heute
also nur einen kleinen Teil mit-
bekommen. Aber was soll s...
fr den Verein gab es heute
kein ,,offizielles Programm .
Rund um 19h kurz ins Lieblings-
hotel eingecheckt (hallo
Werner, hallo Andrea... schn
wieder bei Euch zu sein!) und
dann ab auf den Felsen. Bei
bestem Festivalwetter (blauer
Himmel, Temperaturen
zwischen 25 und 30 Grad) er-
klomm ich die breite Treppe
auf das Gelnde und sah bei
den letzten Klngen von Pen-
dragon die Massen entgegen-
strmen. Shit schlechtes
Timing. Immerhin habe ich mir
sagen lassen, dass sowohl
Pendragon als auch Anneke
Storm berzeugen konnten.
Jetzt konnte entspannt werden!
Auch Markus und Talie waren
relativ gelassen, und Stefan
schwirrte bereits wie immer
vor und hinter der Bhne he-
rum. Wir konnten gemeinsam
den Set von Neal Morse und
Band genieen, die gewohnt
energetisch ihre Songs abliefer-
ten. Markus feixte noch so
nach dem Motto ,,...jetzt kann
ja nichts mehr schiefgehen, es
sei denn, der Flieger von Rot-
hers fllt aus... . Er sprach s...
und erhielt ca. 30 Minuten sp-
ter eine SMS von Rothers:
DESASTER! British Airways has
cancelled our flight!
Nun musste umdisponiert
und neue Flge gebucht wer-
den. Immerhin Andy Rother-
ham war mit dem Material und
seinem Truck bereits auf dem
Weg. Die Umbuchungen hatten
zur Folge, dass Teile der Band
am Samstagvormittag, aber
auch Bandmitglieder um
16:55h am Nachmittag und
21:05h am Abend ankamen.
Na, super! Gut, dass wir mit ge-
nug Manpower vor Ort waren
und somit am nchsten Tag
ausschwrmen konnten. Der
Abend klang, nachdem alles
soweit geklrt und organisiert
war, entspannt mit dem Set
von Camel aus. Obwohl ich die
Herren trotz Prog-Vorliebe bis-
her nicht auf dem Schirm hatte,
war ich ganz angetan. Mindes-
tens genau so schn war sp-
ter das entspannte Bier vorm
Hotel... mit spezieller Feuer-
werks-Fontne fr Markus... ;-)
Die laue Sommernacht war ein-
fach zu schn, um nicht genos-
sen zu werden! Um halb vier
Uhr morgens bin ich schlielich
glcklich und zufrieden ins
Hotelbett gekrabbelt.
Wer htte gedacht,
dass wir innerhalb
von 5 Jahren gleich
drei mal unsere Hel-
den auf der Loreley
bewundern knnten?
In diesem Jahr vom
17.- 19. Juli 2105 u.a.
mit der fantastischen
Steve-Rothery-Band
und Fish.
Fr Dirk Steiner aka
,,Aasgeier ein fast
perfektes Wochen-
ende auf dem sagen-
umwobenen Felsen.
D


8 made again
Nach dem ausgiebigen Frh-
stck standen am Samstag nun
einige Dinge an. Pavillon auf
dem Gelnde aufbauen, fehlen-
des Equipment in Koblenz
nachkaufen, Werbung frs
h-Konzert verteilen... und
schlielich mussten Bandmit-
glieder an verschiedenen Flug-
hfen eingesammelt werden.
So ging auch fr mich der Vor-
mittag herum, ohne von den
Bands etwas gesehen zu ha-
ben. Auch hier habe ich gehrt,
dass Sylvan und Co. die Mas-
sen in Wallung gebracht haben.
Nicht verstehen konnte ich,
dass zu Lazuli einige das Ge-
lnde verlieen. Fr mich der
erste Set heute, und die leicht
mittelalterlich angehauchte
Band hat mich wirklich mitge-
rissen. Allein die Nummer mit
fnf Leuten gleichzeitig am
Xylofon war schon sehr beein-
druckend! Das folgende Set
von The Enid war zumindest
fr mich sehr gewhnungsbe-
drftig. Der Sound hatte etwas
von Musicals und Opern, und
auch die Darbietung des Sn-
gers war mir teilweise zu thea-
tralisch. Wie alles natrlich Ge-
schmackssache, meiner wurde
nicht getroffen.
Schn war es, zwischen-
durch immer wieder Leute aus
unserer Familie begren zu
knnen, selbst aus Brasilien
(hallo Raimundo, hallo Sebas-
tiao!) waren Fans angereist.
Riverside waren wie immer ein
Brett, geiler Sound, geile Atmo-
sphre... der beste ,,Anheizer
fr den groen Onkel. Auf den
warteten alle natrlich sehr ge-
spannt! Nach 28 Jahren auf der
Loreley und laut Fish ,,for the
very last time sollte heute das
Meisterwerk Misplaced Child-
hood komplett vorgetragen
werden. Im Vorfeld hatte es et-
liche Gerchte gegeben, ob
Fish und Steve an diesem
Abend zusammen auftreten
wrden. Die Fragen musste ich
im Laufe des Tages des fteren
verneinen. Immerhin konnte
ich weitere Gerchte entschie-
den dementieren, welche be-
sagten, die beiden wrden sich
aus dem Weg gehen und nicht
miteinander sprechen. Weit
gefehlt! Sehr weit! Das Zusam-
mentreffen der beiden hinter
der Bhne kann man mit mehr
als herzlich beschreiben. Hier
stimmt die Chemie nach wie
vor!
Wer noch einen weiteren
Beweis bentigte, wurde sp-
ter beliefert. Der groe Schotte
startete um ca. 23 Uhr ver-
stndlicherweise mit den
Songs aus seiner Solokarriere.
Und bei der Ankndigung von
Misplaced Childhood widmete
Fish den Set jemandem...
,,... it s for you, Steve! Gnse-
haut pur!
B R E A T H T A K I N G V I E W F R O M ,, T H E R O C K


made again 9
Der Hne war erstaunlich
gut bei Stimme. Natrlich
klappten die hohen Tne nicht
mehr so gut, und auch die
Band interpretierte die Stcke
mitunter etwas eigenwillig.
Was aber der Stimmung und
der unglaublich dichten Atmo-
sphre keinen Abbruch tat.
Und das komplette Album am
Stck zu hren, war einfach
traumhaft! Die beeindruckende
Kulisse tat ihr briges so
wurde es ein denkwrdiger
Abend! Mit Market Square
Heroes wurde noch eine pas-
sende Zugabe herausgehauen,
und The Company beschloss
den Abend. Wow! Heute Abend
galt es, erstmal herunterzu-
kommen, und so wurde die
weitere laue Sommernacht
am Hotel erneut ausgiebig
genossen.
Am Sonntag steuerten wir
dem (zumindest gefhlt fr
uns) Hhepunkt entgegen. Ge-
gen Mittag war ein Interview
mit Rothers geplant (hat ge-
klappt - siehe im Anschluss an
diesen Bericht). Nachmittags
hatten wir neben dem Set der
Steve-Rothery-Band eine an-
schlieende Signing-Session
(die durch einen Druckfehler
bergangsweise als Singing-
Session angekndigt wurde
Rothers wird gelacht haben...)
organisiert, zu der Rothers ex-
tra 100 frisch gepresste und li-
mitierte Vinyl-Exemplare seiner
neuen Scheibe The Ghosts Of
Pripyat im Gepck hatte. Da
Andy Rotherham als Techniker
hinter der Bhne beschftigt
war, hatten wir auch direkt das
restliche Merch der SRB ber-
nommen. Wir waren gut be-
schftigt, und so hatte ich auch
diesmal weitere Bands nur als
Foto: Kai R Joachim


Randerscheinung wahrgenom-
men. Special Providence ist
mir zumindest in guter Erinne-
rung geblieben. Kurz vor dem
Gig gab es dann den einzigen
Wermutstropfen des Wochen-
endes: Es regnete einmal fr
ein paar Minuten, und zwar
sehr heftig! Alle Unterstnde
(u.a. unser Pavillon) waren in-
nerhalb von Sekunden gefllt.
Glcklicherweise blieb es bei
dem einen Schauer und trotz
teilweise dicker Wolken blie-
ben wir von weiteren Gssen
verschont.
Um 16:30 Uhr war es dann
endlich so weit: Die Steve
Rothery Band live on stage!
Mit Morpheus wurde die erste
Grundlage fr ein fulminantes
Set geschaffen. Hatte ich bei
Verffentlichung im letzten
Jahr noch stark gezweifelt, ob
ein rein instrumentales Album
funktionieren wrde, so bin ich
mittlerweile von den komple-
xen und fast cineastischen
Songs total begeistert! Neben
dem grandiosen Kendris wur-
den noch Old Man of the Sea
und Summer s End dargeboten.
Schade, dass nicht genug Zeit
zur Verfgung stand, um zu-
mindest das Titelstck zu spie-
len. Allein das Gitarrenriff finde
ich schon sehr genial! Alle Mu-
siker waren bestens gelaunt,
Yatim am Bass hpfte vergngt
ber die Bhne und animierte
die Leute immer wieder zum
Mitklatschen, ,,The Dave war
im gewohnten Knie-Wiege-
modus, Leon hieb solide im
Hintergrund auf die Felle und
Riccardo an den Keys geht
sowieso immer ab! Rothers
genoss ganz offensichtlich
seine Leader-Rolle, mit zurck-
gelegtem Kopf und geschlosse-
nen Augen.
10 made again


made again 11
Nach den Stcken des
Soloalbums kamen wir nun
zum zweiten Teil des Sets
MARILLION-TIME! Der stimm-
gewaltige Martin Jakubski
enterte die Bhne und stimmte
Slainte Mhath an! Tosender
Applaus im Publikum! Nachei-
nander wurden die alten Klassi-
ker herausgehauen, erst
Cinderella Search, dann Incu-
bus. Als danach die ersten
Tne von Lavender/Bitter
Suite/Heart of Lothian gespielt
wurden, hatte man bzw. zumin-
dest ich den Eindruck, dass
Rothers jetzt mal zeigen wollte,
wie man die Stcke ,,richtig
spielt. Als krnender Abschluss
wurde Sugar Mice dargeboten.
Schade, dass der Set mit 1
Std. so kurz war. Ganz offen-
sichtlich tat das der Stimmung
aber keinen Abbruch, die Band
wurde frenetisch bejubelt.
Direkt nach dem Set war
dann die Signing-Session an-
gesetzt. Innerhalb von wenigen
Minuten bildete sich eine
laaange Schlange, die an unse-
rem Pavillon vorbei, quer ber
den Platz, dann an allen Fress-
buden entlang und noch weiter
lief. Schnes Bild! Dies schien
auch ganz eindeutig Rothers zu
gefallen, der nach ca. 15 Minu-
ten erschien und erstaunt die
Menge betrachtete. Selbst der
Veranstalter Winfried kam sp-
ter noch vorbei, um sich das
Schauspiel anzusehen und war
ebenso sichtlich angetan. Viel-
leicht ist die SRB fr ihn ein
Kandidat fr einen knftigen
Headliner?! ;-) Jedenfalls tru-
delten dann kurz hintereinan-
der die weiteren Bandmitglie-
der ein, und es wurde fleiig
gepinselt, gequatscht, Selfies
geschossen und gelacht. Man
konnte allen sehr gut anmer-
ken, wie sehr sie den Rummel
um sie genossen haben. Und
Rothers meinte, er wrde am
liebsten direkt weitere Kon-
zerte in Deutschland spielen.
(Und so ist es ja dann auch. In
Rsselsheim am 30.10. und in
Kln am 1.11. gibt sich die Band
noch mal die
Ehre.)
Nach einer
guten Stunde
waren alle Auto-
grammwnsche
erfllt und auch
die Special-Vinyl-
Pressung hatte
ihre Abnehmer
gefunden. Alle
schienen mehr
als glcklich zu
sein. Fr uns
hie es dann so
langsam einpa-
cken, um spter
den Auftritt von
Steve Hackett
und seiner Band
genieen zu kn-
nen. Interessan-
terweise saen
spter Rothers,
Leon, Dave und
Riccardo mitten
im Publikum auf
den Steinstufen
wie alle anderen,
um sich eben-
falls den Ex-
Gitarristen von
Genesis anzusehen. Es war
sehr schn, eine ganze Reihe
von Klassikern meiner zweit-
liebsten Progband live zu h-
ren, wie z.B. Squonk, The Musi-
cal Box, Firth of Fifth oder auch
Supper s Ready. Der Snger
Nad Sylvan kommt der Stimme
von Peter Gabriel schon sehr
nah. Etwas merkwrdig fand
ich nur die Positionierung auf
der Bhne, denn bei welcher
Band steht der Snger schon
in der 2. Reihe? Aber Steve
Hackett ist halt der Star! Ins-
gesamt war das ein wrdiger
Abschluss eines fantastischen
Wochenendes!
Mein Fazit: Ein nahezu per-
fektes Wochenende mit kleinen
organisatorischen Herausforde-
rungen! Wiederholung nicht
ausgeschlossen.
Dirk aka Aasgeier
Signing-
Session:
Lange
Schlange
vor dem
TWG-Stand
Steve Rothery
Band: Ent-
spannter Aus-
klang beim
Auftritt von
Steve Hackett


12 made again
A CUP
OF TEA
WITH
ROTHERY
D A S
I N T E R V I E W
Am Morgen vor dem groen Auftritt der Steve
Rothery Band beim Night of the Prog-Festival
auf der Loreley zogen wir uns mit dem Meister
zu einem gemtlichen Plausch im Hotel zu-
rck. Am Abend zuvor hatten wir uns gemein-
sam mit dem Marillion-Gitarristen die Show
angeschaut, bei der Fish mit groem Erfolg
das 30-jhrige Jubilum des Erfolgsalbums
Misplaced Childhood zelebrierte auf den Tag
genau 28 Jahre nach dem legendren ersten
Auftritt von Marillion auf der Loreley.
FRAGEN:
TWG
TRANSKRIPT:
MARKUS
BERSETZUNG:


made again 13


Nachdem Du hier auf der Loreley bereits
1987, 2010 und 2014 mit Marillion ge-
spielt hast welche Erinnerungen hast
du an diese Auftritte?
1987 war ein groartiges Konzert, aber
wir hatten eine merkwrdige Atmosphre
innerhalb der Band, ich glaube das sieht
man auf der Live-Aufnahme. Aber trotz-
dem gibt es da ein paar tolle Erinnerun-
gen und wir hatten ein fantastisches
Publikum. 2010 war es komisch nach so
langer Zeit zurckzukehren. Wir haben
das sehr genossen, aber es war vielleicht
nicht ganz so eine unvergessliche Sache
wie das letzte Mal in 2014. Das hat viel
Spa gemacht und war ein groer Erfolg.
Ich hatte wirklich das Gefhl, dass das
Publikum voll hinter uns stand vielleicht
mehr als 2010. Und dann natrlich heute
Nachmittag: das wird der Hammer! Da
freue ich mich total drauf und bin schon
sehr gespannt und meine Band ist das
auch.
Nun, nach der doch etwas surrealen Er-
fahrung von gestern Abend, als ich vom
Publikum aus sah, wie Fish Misplaced
Childhood aufgefhrt hat, kriegst du
wirklich einen Eindruck davon, was fr
ein groartiges Konzertgelnde das hier
ist. Man kann sich das eigentlich nicht
besser vorstellen die Akustik ist gut,
die Lichtproduktion sah toll aus und es
herrschte einfach eine fantastische
Atmosphre.
Jetzt hast du unsere nchsten beiden
Fragen gleich mitbeantwortet.
(lacht) Ja, ich komme gerne direkt auf den
Punkt.
Dann sind wir jetzt fertig.
Oh gut! (lacht und deutet an aufzustehen)
Nein, wir wollten doch gern noch etwas
mehr von dir hren ber Fishs Show
gestern. Irgendetwas, was man auch
abdrucken kann.;-)
(lacht) Es war surreal fr mich. Ich denke,
er hat das ziemlich gut gemacht. Weit
du, als Musiker und Komponist all dieser
Musik, da hab ich einfach manchmal
ein Problem damit, wenn bestimmte
Elemente verndert oder ber eine be-
stimmte Grenze hinaus neu interpretiert
werden. Ich kann mir da nicht helfen,
14 made again


aber manchmal denke ich beim Zuhren
,,Wirklich? Bist du dir da sicher? (alle
lachen).
Aber unterm Strich fand ich es gut.
Er hat eine groartige Band hinter sich
und ja, es war gut.
Okay, lass uns nach vorne schauen.
Kannst du uns schon irgendetwas Neues
zum nchsten SRB-Album sagen? Ist
schon etwas geschrieben? Gibt es einen
Zeitplan?
Einen Zeitplan gibt es noch nicht, aber ein
Konzept. Es basiert auf dem Erfolg, den
ich mit der Musik hatte, die ich fr die
European Space Agency (ESA) geschrie-
ben hatte und die sehr viele gute Kritiken
bekam. Es wird also wieder ein Instru-
mental-Album, diesmal mit einem Space-
Thema. Wir sind sehr gespannt und ich
denke das wird recht schnell entstehen.
Es werden wieder ein paar Gastmusiker
mitwirken, wie z.B. Steve Hackett, der
wirklich sehr begeistert ist, wieder mit
mir auf dem Album arbeiten zu knnen.
Nicht nur, dass ich mich heute noch mit
ihm unterhalten kann, ich werde ihn in
auch in einer Woche wiedersehen. Also
das wird wirklich gut. Lasse Hoile freut
sich sehr darauf das Artwork machen zu
knnen (wie schon beim ersten Album,
Anm. d. Red.).
Die Jungs bei der ESA sind ebenfalls be-
geistert. Es wird auf dem Album einen Ti-
tel geben, der auf den Apollo-Missionen
beruht. Einen Teil davon mchte ich zu-
sammen mit Rick Armstrong machen. Er
ist ein guter Freund von mir und auer-
dem der Sohn von Neal Armstrong. Er ver-
mittelt dir so wunderbare Erinnerungen
an seinen Vater, an die Saturn 5-Raketen
und all dieses tolle Zeug, sich das vor-
zustellen ist absolut fantastisch. Das ist
alles sehr aufregend.
Doch die hchste Prioritt geniet das
neue Marillion-Album. Das klingt wirklich
absolut exzellent. Wir sind ja noch im
Anfangsstadium und haben gerade mal
Bndel von ersten Grundideen zusam-
mengetragen, aber von dem, was wir bis-
lang an Material haben, sind alle in der
Band und auch Mike vllig begeistert.
Wenn das aber erst mal im Groen und
Ganzen steht und ich auch endlich mein
Fotobuch fertig gestellt habe, dem ich
wirklich JEDEN Tag ein Stckchen nher
komme (lacht), dann wird dem Space-
Album meine ganze Aufmerksamkeit zu-
teil werden.
Wahrscheinlich habe ich jetzt schon die
wieder die nchsten fnf Fragen beant-
wortet (lacht laut).
Ja du bist da sehr routiniert, aber das ist
okay. Wenn du an den Marbles-Abend in
Port Zlande und im Gegensatz dazu die
Less Is More-Tour denkst: Kannst du mal
versuchen zu beschreiben, wie du auf
der Bhne die Unterschiede erlebst, zwi-
schen einer aufwndigen und minutis
durchgeplanten Show und den sehr
reduzierten und intimen Akustik-Auftrit-
ten? Was magst du mehr und warum?
Das sind zwei vllig unterschiedliche
Herausforderungen, denke ich.
Wenn du ein komplettes Album am Stck
spielst, gibt es eine Unmenge von Din-
gen, die du versuchen musst im Kopf zu
behalten. Insbesondere bei Liedern, die
du erst zwei- oder dreimal live gespielt
hast, bist du sehr zufrieden, wenn das
gut hinhaut. Wir spielen die meisten
Marbles-Songs aber recht regelmig
und so sind es ja nur ein paar Stcke, die
schrecklich viele Hausaufgaben und be-
sondere Konzentration von uns erfordern.
Die Sache mit Less Is More ist etwas vl-
lig Anderes. Ich meine, wir wussten, dass
es experimentell sein wrde, und die
Live-Auftritte haben sehr viel Spa ge-
macht. Aber die Herausforderung war
wirklich eine ganz andere. Das war unver-
hllt, exponiert und minimalistisch und
bei den akustischen Arrangements
musste wirklich alles zusammenpassen,
damit es funktionierte. Letztlich entschei-
det der Erfolg eines solchen Konzeptes,
aber woran will man das festmachen?
made again 15


Fr nchstes Jahr werden uns ja bereits
jetzt ,,umwerfende Showproduktionen
in Aussicht gestellt. Kannst Du dazu
schon etwas verraten?
Wow, nun das hngt alles davon ab, wie
viele Konzerte wir spielen und wie gro
die Hallen sein werden. Ich denke, was
wir dieses Jahr in Port Zlande gemacht
haben, mit den unglaublichen Screens
und den Projektionen, hat die Band auf
eine deutlich hhere Ebene gehoben.
Es ist sehr teuer so etwas umzusetzen
und nur bestimmte Hallen werden dazu
geeignet sein, dass sich eine solche Pro-
duktion dort realisieren lsst. Aber im
Idealfall, selbst wenn es nicht auf der
kompletten Tour mglich ist, wre meine
Idee jedoch, dass wir versuchen sollten,
wenigstens bei einem Teil der Konzerte
vielleicht zwischen einem halben Dutzend
und zehn Konzerten eine solch aufwn-
dige Show zu zeigen, in ausgewhlten Re-
gionen. Fr die Leute bedeutet das, sie
werden wissen, was sie erwarten knnen.
Vielleicht mssten [bei diesen aufwndi-
geren Konzerten, Red.] die Tickets teurer
sein, aber dafr bekmen die Leute auch
eine fantastische Produktion und Show
geboten.
Aber wie gesagt, so was kannst du natr-
lich nicht berall machen, wegen der Kos-
ten und weil nicht jede Halle fr diese Art
Produktion geeignet ist. Also werden wir
mglicherweise eine Produktion haben,
von der wir alternativ auch eine ,,ab-
gespeckte Version darbieten knnen, in-
dem wir bestimmte Elemente der Show
an die Gegebenheiten der kleineren Hal-
len anpassen.
Das wre also mein Konzept und es bleibt
abzuwarten, wie viel wir davon umsetzen,
wenn wir die Vorgehensweise alle mitei-
nander abgestimmt haben und wenn wir
wissen, welche Art Album wir gemacht
haben.
Wie kam es zu deinem eigenen Platten-
label Ravenscar in Argentinien? Was
planst du dort zu verffentlichen?
Ich wollte dort mit meiner Soloband auf
Tour gehen und das macht in einem Land
eigentlich nur Sinn, wenn man dort auch
meine Alben kaufen kann.
Ich habe da ein paar sehr gute Freunde,
die auch sehr gute Geschftsleute sind.
Ich dachte also, ich lasse sie eine be-
stimmte Menge an Kopien des Ghosts of
Pripyat-Albums herstellen, damit die
Leute es dort zu einem Bruchteil der Kos-
ten [eines Imports, Red.] kaufen knnen.
Das ist etwas, was hoffentlich noch
16 made again


wchst, auch wenn wir dort erst mal nur
in speziellen Plattenlden vertreten sind,
gibt es doch eine Menge Potential. Ich
habe auch schon Anfragen anderer Knst-
ler erhalten, die Interesse daran haben,
dass wir ihre Musik ber Ravenscar he-
rausbringen. Aber in Argentinien, wo das
Unternehmen ansssig ist, ist es nicht
leicht Geschfte zu machen. Ich habe z.B.
vor einem Monat oder fnf Wochen ein
paar Alben rber geschickt, die hngen
immer noch beim Zoll fest. Dann hie es,
die drften gar nicht eingefhrt werden,
weil es sich nicht um medizinische Aus-
rstung handelt. Also muss ich jetzt die
ganzen Sachen zurck nach England lie-
fern lassen und von da aus mit der Post
verschicken. Die Importbeschrnkungen
in Argentinien sind derzeit ein echtes
Minenfeld, aber vielleicht ndert sich das
ja auch bald.
Also ein Album dort direkt herzustellen
ist nicht so problematisch, wie wir es ja
beim ersten Album gemacht haben. Wir
loten gerade die Mglichkeiten aus, dies
auch mit ein paar Marillion-Sachen zu
machen, da wir dort seit Anoraknophobia
nichts mehr verffentlicht haben. Wir tou-
ren zwar dort ziemlich viel, aber wenn die
Leute nicht gerade die Alben als Import
kaufen, sondern nur downloaden, dann
haben sie eben keine physische CD. Bis-
lang gibt es darber nur Gesprche, aber
ich sehe da eine Chance, zumindest ein
paar Marillion-Alben dort direkt produzie-
ren zu lassen und zu verkaufen. Das ist
insbesondere sinnvoll, wenn wir da im
nchsten Mai wieder touren. Das ist also
meine Planung fr Ravenscar Music, die
es ermglichen soll dort hinzugehen, zu
touren und die Musik dort erhltlich zu
machen.
Du willst also dort wirklich auch ltere
Marillion-Alben herausbringen?
Mglicherweise. Es ist im Gesprch. Es
gibt eine reelle Chance, dass das gesche-
hen wird, doch ist noch einiges vorher zu
klren.
Das nchste Marillion-Album wird hier
jedoch ber PledgeMusic vertrieben...
(berrascht) Oh, Ihr wisst darber Be-
scheid!
Ja, aber das wissen nur wir die
Information wird den Raum vor dem
1. September nicht verlassen.
(Scherzhaft:) Es stand nur schon im Inter-
net! (lacht).
Was sind die Vorteile von dieser
Kooperation, welche Chancen und
Hoffnungen sind damit verbunden?
Nun, das ist eine groe Organisation, die
haben Bros in verschiedenen Lndern
der Welt. Die kmmern sich um eine
Menge Probleme, wie die Abwicklung des
Versands von Alben. Weit Du, wir hatten
Albtrume in der Vergangenheit, als der
Versand der Preorder-Alben bei den damit
made again 17


beauftragten Firmen vllig schief gelau-
fen ist und CDs einfach verschwunden
sind. Diese Dinge waren bei einigen
Alben ein Problem, das sich zum Alb-
traum entwickelte. PledgeMusic hat eine
groartige Reputation, sie sind sehr gut
organisiert und da laufen die Dinge ein-
fach besser. So zhlen die Verkufe dar-
ber z.B. auch fr die britischen Charts
und je nachdem, wie viel wir verkaufen,
gibt es eine gute Chance, in die Top 20 zu
kommen oder noch hher, vielleicht so-
gar in die Top 10. Das heit ja eigentlich
heutzutage nicht mehr viel, aber es kann
dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad
der Verffentlichung zu frdern und den
Verkauf des Albums anzukurbeln.
Wir knnen all diese verschiedenen
Pledges anbieten, die verschiedenen Ver-
sionen des Albums, wie die Standard Edi-
tion, die Special Edition oder die Super-
Duper-Duper-Special-Edition (lacht). Das
ist ziemlich aufregend. Wir machen ein
Promo-Video fr das Album im Racket
Club am nchsten Dienstag. Das wird
echt lustig, so etwas wie eine Parodie auf
einen Horrorfilm aus den 30ern, mehr
kann ich noch nicht verraten.
Klingt sehr interessant!
Zurckzur
Steve Rothery Band. Du hast mal eine
DVD-Verffentlichung angekndigt. Ist
die noch geplant?
Ja, die ist noch in Vorbereitung. Es sind
noch ein paar Kleinigkeiten an der Auf-
nahme zu bearbeiten. Und solange ich
das Buch noch nicht fertig habe, mchte
ich mich durch nichts anderes mehr da-
von ablenken lassen. Wenn das Buch also
voraussichtlich im Laufe des nchsten
Monats fertig ist, dann kann ich erledi-
gen, was noch zu tun ist, d.h. die DVD ab-
mischen lassen, und dann gibt es da noch
die Dokumentation fr die Bonus-DVD,
die zusammengestellt werden muss. Ich
hoffe, dass die DVD dann ab etwa Okto-
ber oder November erhltlich sein wird,
mglicherweise sogar in etwa zur glei-
chen Zeit wie das Buch... also rechtzeitig
zu Weihnachten (lacht).
Wir sind eigentlich durch, oder magst du
uns sonst noch etwas erzhlen?
Ja, ich mchte noch mal auf das Buch zu-
rckkommen. Das wurde ja immer wieder
verschoben. Der Grund ist, dass ich ir-
gendwann mal angefangen hatte, meine
Fotos, die ich teilweise seit 30 Jahren
nicht gesehen hatte, durchzuschauen
und einzuscannen. Dabei fielen mir z.B.
am Donnerstag Fotos in die Hnde aus
der Zeit nach dem ersten Album, als wir
mit Andy Ward in Monmouth in den Rock-
field Studios arbeiteten, und da gibt es
dieses Haus am See. Das sind Bilder, die
ich selbst noch nie richtig betrachtet
habe, seit sie entstanden sind. Und da
gibt es noch eine Menge anderer, ziem-
lich interessanter Behind the Scenes-
18 made again


Sachen. Ich will wirklich sicherstellen,
dass ich fr das Buch nur die besten Auf-
nahmen verwende, und bis ich nicht alles
gescannt und katalogisiert habe, kann ich
mir dessen noch nicht sicher sein. Aber
ich bin fast fertig damit, die Dias zu
scannen, danach werde ich ein paar
Negative einscannen und zum Schluss
die Abzge. Dann fge ich den Text ein
und erstelle das Layout.
Erscheint das Buch ber Racket oder
auch in den Buchlden und bei Amazon?
Da habe ich mich noch nicht wirklich ent-
schieden. Es wird aber wahrscheinlich auf
einen ausschlielichen Direktvertrieb
hinauslaufen. Es wird also auf jeden Fall
bei Racket erhltlich sein, ich wei noch
nicht, ob ich auch Amazon probiere. Ich
muss mal sehen wie es luft und wie das
Interesse ist. Vielleicht mache ich ja eine
Buch-Promo-Tour. Ich komme dann mit
einem Transporter voller Bcher und
spiele ein bisschen Live-Musik, mal sehen
(lacht).
Jetzt haben wir doch noch eine Frage.
Wir haben uns ja darber unterhalten,
dass du in diesem Jahr noch mal [mit der
SRB] auf Tour kommst und das komplette
Misplaced Childhood-Album spielst.
Kannst du uns erzhlen, wie du auf die
Idee gekommen bist?
Ich hatte mich ja entschieden, dass wir
beim Warm-up-Gig fr die Loreley vor ein
paar Wochen in Manchester die erste
Seite von Misplaced Childhood spielen.
Das war ein groer Erfolg. Vor der Cruise
to the Edge machen wir im November ei-
nen Warm-up-Gig im Stables, einem recht
bekannten Jazzclub in Milton Keynes. Ich
dachte, es ist das 30-jhrige Jubilum,
also sollten wir das ganze Album spielen.
Und wenn man dann weiter darber nach-
denkt, wre es doch eine Schande, das
nicht zu tun und dann nicht zumindest
auch ein paar Shows hier zu spielen.
Da freuen wir uns sehr drauf.
Ja, das wird absolut fantastisch!
...und wir mssen dann auch keine
Abweichungen in der musikalischen
Interpretation befrchten ;-)
Es wird alles in der Original-Tonart
gespielt (lacht).
Vielen Dank fr das Interview.
Sehr gerne (lacht herzlich und nimmt
einen groen Schluck Tee).
made again 19
(Das Ergebnis
aus diesem Ge-
sprch waren
die anschlie-
enden Planun-
gen mit Steve
Rothery, und
The Web Ger-
many wird nun
die Misplaced
Childhood-
Shows in
Rsselsheim
und Kln pr-
sentieren.)


20 made again
STEVEROTHERY
BAND
Thereisno
Childhood send!
CELEBRATES THE
30TH ANNIVERSARY OF
MISPLACED CHILDHOOD


made again 21
Als
Steve Rothery mit seiner Band das Debtalbum The Ghosts
Of Pripyat verffentlicht, sind die Kritiken bei Fans und Presse
ausnahmslos positiv. Geschickt streift der Gitarrist seine Stamm-
formation Marillion und zitiert viele musikalische Wegbegleiter
der letzten 30 Jahre, um letztendlich doch etwas Eigenes zu er-
schaffen. Mit viel Fingerspitzengefhl und uerst talentierten
Musikern schafft der Knstler etwas, was nur wenige vor ihm
geschafft haben: Ein rein instrumentales Album, das Geschich-
ten erzhlt.
Der zweite Eckpfeiler dieser Erfolgsgeschichte sind die Live-
auftritte. Mit dem Konzept, anfangs die Eigenkompositionen zu
prsentieren, um spter mit Gastsngern alte Marillion-Songs
zum Besten zu geben, hat die Steve Rothery Band alles richtig
gemacht und eine erste erfolgreiche Tour abgeliefert. Dabei hat
vor allem Martin Jakubski von der Tribute Band ,,Stillmarillion
den Vogel abgeschossen. Seine Interpretationen der Stcke aus
der Fish-ra sorgten in der Vergangenheit nicht selten fr
offene Mnder. Vorlufiger Hhepunkt war der Festival-Auftritt
auf der Loreley, wo man am spten Sonntagnachmittag das
Gelnde mal eben in 75 Minuten auf links gedreht hat.
Logische Konsequenz daraus: Die Steve Rothery Band gibt
sich im Herbst mit zwei Exklusiv-Konzerten in Deutschland
nochmals die Ehre. In der ersten Hlfte des Sets spielt man
wieder Songs vom eigenen Album, in der zweiten dann zum
Dreiigjhrigen das
komplette Misplaced Childhood Album!
Die Essigfabrik in Kln bietet den Charme der Clubs aus den
80er/90er Jahren und ist genau deswegen der passende Ort,
um am Sonntag, dem 01.11.2015 auf den Tatort zu verzichten.
Wer jedoch auf den TV-Krimi nicht verzichten kann, hat zwei
Tage zuvor am 30.10.2015 die Gelegenheit, im Club ,,Das Rind
in Rsselsheim den Auftritt der Band zu bewundern.
Nostalgisch oder nicht:
Feiern wir die Auferstehung von Misplaced Childhood!
The Web Germany prsentiert
die STEVE ROTHERY BAND:
Freitag, 30.10.2015
Rsselsheim, Das Rind
Tickets: www.dasrind.de
Sonntag, 1.11.2015
Kln, Essigfabrik
Tickets: www.huboonline.com


22 made again
PZ 2015
T
H
E
W
E
E
K
E
N
D
MAGIC
KIND OF
IT S A


made again 23
Als Marillion am Sonntag in
Port Zlande gegen 23 Uhr ihre
dritte Show beenden, wird mir
klar, dass man mit Hocus Pocus
keinen treffenderen Abschluss
dieses Wochenendes htte
bringen knnen.
Etwas Magisches ist zu Ende
gegangen, etwas Einmaliges,
das so viele Highlights hervor-
brachte, dass negative Ein-
drcke unterm Strich nur noch
zur Randnotiz verkommen,
aber trotzdem nicht unerwhnt
bleiben sollen.
TEXT SEVERIN ,,SEVI SCHNEIDER
FOTOS STEFAN SCHULZ


Esistjadochein
bisschen wie nach
Hause kommen,
wenn man Freitag-
mittag schon vor
dem Einchecken
diversen Leuten in die Arme
fllt. Bis man sich im Cottage
einrichten kann, verbringen wir
die Zeit in und um die Factory,
einer der zentralen Anlaufstel-
len mit Getrnkeangebot in
Port Zlande, und genieen
das Wiedersehen mit
Freunden, die einmalige Atmo-
sphre der Vorfreude und die
glcklichen Gesichter der Ers-
ten, die vom Merch kommen.
Mtter sind ja die Besten
und meine hat fr zehn Perso-
nen Pasta vorgekocht, was in
der Realitt bedeutet, dass wir
mit dem Essen smtliche Nach-
barcottages htten versorgen
knnen (...um das Klischee zu
komplettieren: Mutter war sich
nicht sicher, ob das Essen fr
alle reicht!). Wohlgenhrt rol-
len wir auf das Zelt und den
ersten Konzertabend zu. Die
Steve Rothery Band erffnet
und lsst keinen Zweifel daran,
dass dies der meist umjubelte
Support meiner Weekend-
Geschichte war. Der Fnfer
performt mit sichtlicher Spiel-
freude und Rothers hat an sei-
ner zentralen Rolle richtig
Spa.
Bevor die Band startet, wer-
den alle Flaggen der 52 teil-
nehmenden Nationen einge-
blendet, die mehr oder
weniger bejubelt werden. Ver-
einzelte Pfiffe gegen die russi-
sche Flagge htte man sich in
diesem Rahmen sparen kn-
nen. Bei dieser Gelegenheit
schaue ich mir die Bhne ge-
nauer an. Dieses Jahr hat man
den Aufbau um die Bhne dem
Querschnitt des Zeltes ange-
passt und mit Leinwnden ver-
sehen. Optisch sieht man also
ein flaches Dreieck, das den
Arbeitsplatz der Musiker ein-
rahmt. Dass uns hier noch et-
was ganz Besonderes erwar-
tet, war mir sofort klar, aber
was im spteren Verlauf des
Weekends dann kam..., naja,
dazu spter mehr. hs Key-
board steht diesmal auf einem
durchgehenden Podest
zwischen Marks Tastenwelt
und Ians Schiebude, die aus
akustischen Grnden mit einer
Plexiglas-Trennwand abge-
grenzt wird, damit h und Mark
ihre Klimperei besser hren.
Vor der Bhne ist ein weiteres
Podest platziert worden, das
den Catwalk von vor zwei Jah-
ren ersetzt. Die volle Bhnen-
show gibt es heute natrlich
noch nicht, wie immer dient
der Freitag eher als Warmup.
Zudem fllt auf, dass der Be-
reich um den Mischer wesent-
lich grorumiger abgesperrt
ist und somit ist insgesamt
weniger Platz im Zelt, aber l-
sardinen-Feeling kommt trotz-
dem nicht auf.
24 made again


FREITAGABEND
Ohne groartiges Intro geht
es mit dem Anoraknopho-
bia-Album los und Between
You And Me lsst das Publi-
kum sofort mitgehen, bei
Quartz wird schon mitgesun-
gen. Es hat ein wenig was von
Erlsung nach der ganzen Vor-
freude, und da das Album auf
die gesamte Distanz mehr zu
bieten hat als vergleichsweise
Radiation, bleibt die Stimmung
auf einem hohen Level. Die
Lightshow ist fett fr einen
Freitag und die Jungs spielen
trotz einer gewissen Anspan-
nung professionell und kon-
zentriert. Einzig der Sound ist
ungewohnt bescheiden, wird
aber im Laufe des Abends
dann Gott sei Dank dem
Marillion-Standard
gerecht. Und wenn es einen
Verspieler ge-
geben hat, fllt dieser
zwischen diesen Zeilen
ins redaktionelle Nir-
wana. Es gibt Wichtige-
res zum Beispiel die
Zugaben. This Strange
Engine, Gaza und ein
3 Minute Boy, der zu einem
10 Minute Fat Boy aufgeblht
wurde. berragend dargebo-
ten und auch entsprechend
enthusiastisch abgefeiert.
Die Zeit ist wie im Flug ver-
gangen, und eine souverne
Band hat ein starkes Album
mit drei herausragenden Zuga-
ben prsentiert. Und obwohl
der deutsche Fanclub danach
noch den Erwerb von lustigen,
roten T-Shirts und sich selbst
feiert, wird man das Gefhl
nicht los, dass es die Murmeln
sind, auf denen das Hauptau-
genmerk der Zuschauer liegt.
Denn das kollektive Ausflippen
erwartet man fr den nchsten
Abend.
Gemtlich lsst man den
Freitag ausklingen und unsere
Weekend-Debtanten haben
ein geschmeidiges Lcheln im
Gesicht. Da ist es natrlich
meine Aufgabe, mit erhobe-
nem Zeigefinger daran zu
erinnern, dass der Spa noch
nicht vorbei ist.
Aus Grnden, die man ge-
trost als mangelnden Sonnen-
schein bezeichnen kann, bege-
ben wir uns zu frher Stunde
zum Merchandise und tun gut
daran, da die Schlange doch
noch recht berschaubar ist.
Unberschaubar ist dagegen
das vielfltige Angebot. Ich
komme komplett durcheinan-
der. Fotoband, Shirts, Tassen,
Flaschenffner bis hin zum
Pflaster oder Notizblock. ,,Ist
alles fr meinen Bruder war
dann die etwas flache Ausrede,
mit der ich mich den Blicken
der Anwesenden ob meiner
ganzen Tten zu entziehen ver-
suchte. Als es ans Bezahlen
geht, muss ich weinen.
Wir verbringen den Nach-
mittag mit unseren Freunden
gepflegt im Chalet, ehe Chef-
koch Holger etwas feststellt,
was mir bei den vergangenen
Conventions nie aufgefallen
ist: Herd ja, Backofen nein.
Unser Dinner sieht aus wie
ein Verkehrsunfall.
SAMSTAGABEND
RanestRane haben ja schon
auf der Rothery-Tour als Sup-
port berzeugt und tun dies
auch im Zelt. Ordentlicher Pro-
gressivrock, der zu Recht fr
erste zaghafte Begeisterung
unter den Anwesenden sorgt.
Die Marbles-Tour ist die
einzige der Band, die ich seit
1987 verpasst habe, und nun
ist der Moment gekommen:
Die kurze Umbaupause ist vor-
bei, das Licht geht aus, ge-
nauso wie die Musik vom
Band. Der Invisible Man klopft
an. Was die Verantwortlichen
sich bei der visuellen Umset-
zung ausgedacht haben, stellt
alles, aber auch alles Bisherige
in den Schatten. Abgestimmt
mit der LED-Wand als Back-
drop und den Projektionen auf
den Leinwnden um die Bhne
verfolgt man als Zuschauer,
wie aus erst einfachen Compu-
teranimationen ein bergroer
Kopf von h entsteht. Und der
fngt auch das Singen an,
whrend seine Haare so ani-
miert sind, als wrden sie sich
auflsen. ,,The worlds gone
mad !
Kurze Zeit spter performt
der Mann dann auf der Bhne
weiter. Das alles ist schwer in
Worte zu fassen. Die Anwesen-
den werden praktisch von Bild
und Ton erschlagen. Das Ganze
made again 25


26 made again
kombiniert mit vier Lasern, Rauch-
fontnen und der brigen Lightshow -
ich bekomme jetzt noch Gnsehaut,
wenn ich daran denke. Das animierte
Feuerwerk bei The Only Unforgivable
Thing, die Bh-
nenoptik bei
Ocean Cloud, der
Lametta-Regen
bei Neverland
und noch so vie-
les mehr, dass ich
es jetzt schon
kaum erwarten
kann, bis die
DVD/Bluray raus-
kommt. Das
Ganze wird wie-
der absolut bril-
lant von der Band vorgetragen, dass
der Applaus nach dem Marbles-
Album ein Sturm der Begeisterung
ist, hnlich dem vor zwei Jahren nach
der Brave-Darbietung.
Auch die Zugaben Out Of This
World und King sind eine Wucht.
Whrend bei ersterem der inzwi-
schen bekannte Donald-Campbell-
Film luft, werden bei King durchge-
hend Bilder von verstorbenen Stars
gezeigt, was dem Ganzen durchaus
noch mehr Dramatik verleiht. Mit
Sounds... wird dieser Abend gebh-
rend beendet, natrlich nicht, ohne
die Fans noch mal lauthals zu Wort
bzw. Gesang kommen zu lassen. Es
herrscht eine berwltigende Stim-
mung im Zelt, und das vollkommen
zu Recht. Das Gesamtpaket hat ge-
stimmt. Zwischen allen optischen
Leckerbissen hat sich die Band genug
Freiraum gegeben, um den Fokus im-
mer wieder auf sich und die Musik zu
richten, so dass wir unterm Strich im-
mer noch ein Konzert gesehen haben
und keinen Film mit musikalischer
Untermalung.


made again 27


Live ist ja erst richtig live,
wenn auch mal was in die Hose
geht. Ganz reibungslos lief es
ja auf den letzten Conventions
nie ab und auch dieses Mal be-
eintrchtigen technische Pan-
nen den Ablauf der Show, ohne
ihr aber die Magie zu rauben.
Whrend Ocean Cloud fllt ein
Beamer aus, die linke Seite un-
seres ,,Bermuda-Dreiecks bie-
tet nur noch das Bildschirm-
Men. Was fr mich und viele
andere nur eine Randnotiz ist,
muss fr Band und Crew eine
Katastrophe sein. Da bereitet
man monatelang diese Show
vor und will die perfekte Um-
setzung in Ton und Bild fest-
halten, und dann passiert so-
was. Die Band erfhrt erst
nach The Damage, was los ist,
und es kommt zu Missver-
stndnissen, die sprbar Har-
monieschwankungen inner-
halb der Gruppe auslsen
(siehe dazu Lucys Kommentar
rechts).
Ob und wie es hinter der
Bhne gescheppert hat, wei
man nicht. Ich kann mir aber
vorstellen, dass der Frustrati-
onslevel in so einer Situation
bei den Musikern sehr hoch
ist. Zwar ist das Marbles-
Album souvern zu Ende ge-
spielt worden (auch wenn h am
Ende von Neverland seine Ras-
sel am Mikrostnder vergeb-
lich sucht), aber whrend vor
der ersten Zugabe schon vier
Mitglieder bereitstehen, war-
tet man auf h vergeblich, so
dass kurz die Befrchtung ent-
steht: Der kommt nicht mehr.
Wie gesagt: Egal, was hinter
der Bhne passiert ist, egal,
wie hoch der Druck auf allen
lastet und egal, wie sehr Frust
und Enttuschung in solchen
Momenten Einfluss auf die
Professionalitt der Musiker
nehmen Aufgestautes
musste raus, und der beste
28 made again
Nothing
is perfect


Weg dafr war die Bhne.
Denn ein sichtlich angefresse-
ner h und seine Mitstreiter leg-
ten einen absolut brillanten
Zugabenblock hin. Out Of This
World und King (hs Gitarre
gibt keinen Mucks von sich
und fllt der Schwerkraft zum
Opfer) sind ja auch Steilpsse,
um smtliche negative Ener-
gien raus zu lassen. Diese bei-
den Nummern habe ich selten
so intensiv erlebt. Somit ist
Sounds... auch fr die Band ein
positiver und vershnlicher Ab-
schluss des Abends.
Fr Band und Crew war es
vielleicht nicht die perfekte
Show, die man sich vorgenom-
men hat, und genau deswegen
war es fr den Zuschauer trotz-
dem etwas ganz Besonderes.
Denn die Leidenschaft auf der
Bhne entsteht eben nicht im-
mer nur aus Tralala und ,,Ich
hab euch alle lieb . Wut und
Enttuschung haben da auch
mal was zu suchen. Diese
emotionale Transparenz sprt
das Publikum auch, deswegen
wird abgefeiert und nicht ent-
tuscht geschaut. Ich be-
haupte mal, dass das die ein-
zigartige Chemie der Family
ausmacht. Ein unbeschreibli-
cher Abend geht zu Ende.
made again 29
Lucy Jordache Marillion: It was
nothing to do with guitars. The short
story is that they had spent months
preparing the visuals and h was told
to chat to the audience whilst they
were reset - but he wasn t told why
and he thought it was something
Mark Kelly had done to the screens
(as Mark triggers some of the visu-
als). So he got upset and walked off.
He then came backstage and saw us
all round the server watching it be
reset. So he came back onstage and
immediately apologised to Mark and
the audience. I totally understood
his frustration and confusion. To be
it wasn t a hissy fit it was artistic
frustration as they had all wanted to
put on the best show possible.
( Es hatte nichts mit Gitarren zu tun.
Die Kurzfassung ist, dass sie Monate
damit verbracht hatten, die Video-
show vorzubereiten, und h bekam
die Anweisung, mit dem Publikum zu
quatschen, whrend sie neu gestar-
tet wurde. Aber man sagte ihm nicht
den Grund dafr, und er dachte,
Mark htte etwas mit den Videos an-
gestellt (da Mark einige der Ele-
mente auslsen sollte). Also wurde
er sauer und verlie die Bhne. Als
er Backstage kam, sah er uns, wie
wir alle um den Server herum stan-
den und dabei zusahen, wie er neu
hochgefahren wurde. Also ging er
zurck auf die Bhne und entschul-
digte sich sofort bei Mark und dem
Publikum. Ich habe seine Frustration
und Verwirrung absolut verstanden.
Es war kein hitziger Anfall es war
der Frust von Knstlern, da sie alle
die bestmgliche Show hatten ablie-
fern wollen. )


DER SONNTAG
Nach einer etwas zu kurzen
Nacht geb ich mir am
Sonntagmorgen den ,,Fun Run
mit Mark Kelly. Run For Your
Life wre das treffendere
Motto gewesen, denn der
Mann legt ein geschmeidiges
Tempo vor. Nach fnf Kilome-
tern ist der ,,Spa vorbei, es
wird applaudiert, die Stim-
mung ist gut und die ,,Aprs-
Zigarette ein, naja, Traum.
Im Cottage angekommen
breche ich zusammen und
muss weinen. Nach diversen
Wiederbelebungsversuchen
und einer Dusche gehts zum
Fanclub-Treffen, bei dem ich
auch einige Bekannte wieder-
sehe, die vor zwei Jahren bei
Made Again mit auf der Bhne
gestanden haben. Spter sit-
zen Weirussland, Russland,
Belgien, Palstina, Jordanien,
Cayman und Deutschland an
einem Tisch und unterhalten
sich angeregt. Eine sehr
schne Begegnung.
Wir verpassen das Nachmit-
tagsprogramm im Zelt (Ques-
tions and Answers, Verlosung,
Finale des Marillion-Quiz) fast
komplett, erleben aber Swap
The Band noch. Gazpacho,
Splintering Heart, Power,
Assassing (mit M. Jakubski am
Mikro) und Garden Party sor-
gen fr richtig gute Laune un-
ter den Anwesenden.
Beim Rumen der Unfall-
stelle, also dem letzten Abend-
mahl, wird spekuliert, was
denn das letzte Konzert herge-
ben wird. Gerade im Vorfeld
wurde viel diskutiert: Mis-
placed Childhood in voller
Lnge wegen 30-jhrigem Jubi-
lum trat dabei am hufigsten
auf, aber Lucy hat in den sozia-
len Netzwerken genau dieses
eindeutig dementiert. Und
auer der Tatsache, dass ich
am Nachmittag auf dem Schlag-
zeugfell von Ians Bassdrum
nicht mehr das Marbles-
Zeichen, sondern das alte
Marillion-Logo entdeckte,
habe ich keine weiteren Hin-
weise auf die Setlist erhalten.
Wir waren dann ziemlich ge-
spannt, unter welchem Motto
der dritte Abend laufen sollte.
Von ,,Lifesigns bekommen
wir nur noch die letzten
Akkorde mit, eine Einscht-
zung der Band fllt also leider
flach. Die Spannung steigt.
Wie will man nach dem
Marbles-Abend vorgehen?
Um das mal mit einem
schlechten deutschen
Titel einer noch schlechteren
Stephen-King-Verfilmung zu
beschreiben: Es begann ohne
Warnung! Das Licht geht aus
und die ersten Takte von
Market Square Heroes schallen
aus den Boxen. Da ist aber ein
Ruck durchs Publikum gegan-
gen! Die Leute flippen total
aus. Es wird gesprungen, ge-
klatscht, gesungen. Keine Zeit
fr unglubiges Kopfschtteln
und auch manch runterge-
klappte Kinnlade wurde erst im
spteren Verlauf des Konzerts
wieder an ihrem ursprnglich
dafr vorgesehenen Platz
fixiert. Wenn auf den Opener
Wetten abgeschlossen worden
wren, wrden jetzt 3000 zer-
rissene Tippscheine auf dem
Boden liegen und keinen tte
das rgern.
Das war schon ganz schn
frech. So was kann man doch
mit uns nicht machen. Mal
eben mit der Stimmungspla-
nierraupe einmal durchs Zelt
und zurck. Und whrend beim
Jubel die einen nicht wissen,
ob sie weinen oder lachen oder
am besten beides sollen, setzt
bei anderen eine Metamor-
phose ein. Damals war ich mir
nicht sicher, aber heute schon:
Um mich herum sehe ich auf
einmal Vokuhilas mit Schnau-
zer, Stretchjeans, hohe Turn-
schuhe, Tops in allen Neonfar-
ben und LKW-reifenbreite
Grtel bis kurz unter die Ach-
seln. Die ersten Falten ver-
schwinden aus den Gesichtern
und altersbedingte Gesund-
heitsdefizite sind praktisch
nicht mehr vorhanden.
Whrend die meisten im-
mer noch nicht genau wissen,
wie ihnen geschieht, besitzt
die Kapelle die Unverschmt-
heit, Garden Party hinterher zu
schicken. Der nchste Schlag
auf die positive Gemtsglocke.
,,Its a paaaaaaaartyyyyyyy! .
Recht hat er, der gute Mann am
Mikro. Denn nichts anderes
war es. Kayleigh, Lavender... -
es wird geschwelgt und ge-
schunkelt, ehe mal wieder die
30 made again


made again 31


32 made again
Kollektivlge zusammen ge-
sungen wird, denn ich bin mir
sicher, dass die wenigsten der
Anwesenden mit einem Heart
Of Lothian geboren wurden.
Der Sherlock Holmes in mir hat
es dann inzwischen auch ge-
rafft und ,,Kombiniere, kombi-
niere! gerufen. Heute werden
nur Singles gespielt, in einiger-
maen chronologischer Rei-
henfolge und auch nicht alle,
denn das htte den zeitlichen
Rahmen gesprengt. Warm Wet
Circles, Sugar Mice und das
famose Incommunicado (lange
nicht mehr live gehrt) bilden
den Abschluss der Fish-ra.
Wenn ich bei Film-Verglei-
chen bleiben darf, dann war
die Reaktion der Fans auf die-
sen 50-Minuten-Brocken nicht
wie bei den ,,The Walking
Dead -Zombies, die einen
Statisten verspeisen, sondern
glich eher der einer Horde
Orks, bei denen nach langer
Zeit wieder Fleisch auf dem
Speiseplan stand. Htte man
jetzt die Band durch linke Tor-
pfosten ersetzt und Hope For
The Future fr den Rest des
Abends in Dauerschleife vom
Tape gespielt viele Menschen
htten spter trotzdem von
einem Riesenkonzert gespro-
chen. Hooks In You und Uninvi-
ted Guest halten die Stimmung
hoch, No One Can und Dry
Land sorgen fr harmonisches
Wohlgefhl unter den Anwe-
senden. Sympathy wird von
Rothers, h und Pete zusammen
auf dem Podest vor der Bhne
vorgetragen und erzeugt die
x-te Gnsehaut an diesem
Abend. Etwas berraschend
fllt der letzte Teil von Great
Escape dem Singles-Motto
zum Opfer und man bevorzugt
stattdessen die Spiral Remake-
Version dieses Klassikers.
Nach Alone Again... kommt
Beautiful und ich muss
weinen. Sorry, aber ich kann
den Song einfach nicht mehr
hren.
Man Of A 1000 Faces ist
wieder ein Highlight und auch
80 Days macht Laune. These
Chains, See It Like A Baby und
Thank You Whoever You Are
werden zwar nicht so enthusi-
astisch aufgenommen, geben
uns aber Zeit, wieder in der Ge-
genwart anzukommen und uns
zurck zu verwandeln. Falten
And sympathy
is what we need
my friends...


made again 33
im Gesicht, leichtes Grau in der
Primrbehaarung, Polsterzo-
nen alles wieder wie vorher
am vllig falschen Platz. Das
hat aber keiner gemerkt, denn
es wird weiter gefeiert, was
das Zeug hlt. Der inzwischen
bliche Konfetti-Regen setzt
unter Whatever Is Wrong With
You ein, und nach 27 Titeln
wird einem zum ersten Mal
klar, dass bald Schluss ist.
Denn mit der ersten Zugabe
Power ist das Konzept des
Abends ausgeschpft. Was vor
zwei Jahren nach dem dritten
Konzert vom Band gespielt
wurde und fr Party gesorgt
hat, kann live ja nicht schlecht
sein. Und dann geht bei dem
eingangs erwhnten Hocus
Pocus nochmal richtig der
Punk ab: Hftprothesen, ver-
steifte Wirbelsulen, Gelenk-
schmerzen, Kurzatmigkeit?
Alles wie weggeblasen, Haupt-
sache noch einmal schnell
einen von den groen Luft-
ballons, die ins Publikum ge-
schmissen wurden, wieder
Richtung Bhne schmettern.
Und obwohl Frhlingsanfang
ist: Frhjahrsmdigkeit geht
anders.
,,Sag mal, war das geil?
war dann auch die meist
gestellte Frage nach diesem
Abend, egal, mit wem man
gesprochen hat. Mit Sicherheit
gab es den einen oder anderen
Song, der kein ,,Must Have
war, aber unterm Strich waren
einfach viel zu viele Highlights
dabei, als dass man darauf he-
rumreiten sollte. Loszulegen
wie die Feuerwehr und das
Feld quasi von hinten aufzurol-
len war eine mutige Entschei-
dung fr den Sonntagabend,
die voll aufgegangen ist. Die
Band hat ihren Fans ein gigan-
tisches Wochenende prsen-
tiert, obwohl nicht alles per-
fekt war: der technische
Aufwand gepaart mit dem An-
spruch einer teils durchchoreo-
graphierten Show, die wenig
Spielraum fr Unvorhergese-
henes lsst, der hier und da
Lockerheit und Spontaneitt
gut getan htten und die den
Musikern sowie allen anderen
Beteiligten einiges abverlangt
hat. Auch im Hinblick auf die
sptere Vermarktung
(CD/DVD/Bluray) hat man viel-
leicht zu viel gewollt. Aber mal
ehrlich: Marillion wollten fr
dieses Wochenende das Beste.
Und auf dem Weg dorthin hat
es halt ein paar Schlaglcher
gegeben. Aber das Ziel ist
trotzdem erreicht worden:
Auch PZ 2015 war
etwas Einmaliges.
Wir begeben uns zur
Factory, wo das ,,Rockaoke in
vollem Gange ist. Whrend wir
die restlichen Token gegen
Flssiges umtauschen, fllt mir
ein recht talentierter Snger
auf, der da im Hintergrund
Rock And Roll von Led Zeppe-
lin zum Besten gibt. Das
kommt gut an, also noch zwei
Beatles-Nummern hinterher:
Saw Her Standing There und
Hey Jude. Verdienter Applaus
und wenn man bedenkt, dass h
gerade die Songs Nr. 30 bis 32
gesungen hat, dann darf er
sich jetzt endlich zur wohlver-
dienten Nachtruhe begeben.
Das tun wir irgendwann
auch, denn schlielich mssen
wir am nchsten Tag noch ei-
nen schlappen Tausender an
Kilometern mit dem Auto fah-
ren. Um 10 Uhr sind die Cha-
lets gerumt und wir stehen
mit unserer 10kpfigen Truppe
um 11 auf der Terrasse. Eigent-
lich will keiner fahren. Halb 12
stehen wir immer noch auf der
Terrasse und schaffen es dann
endlich, dem Kampf mit dem
Alltag entgegenzutreten. Ein
letztes Mal sehen wir das rie-
sige Zelt, das schon abgebaut
wird, und ich muss grinsen bei
dem Gedanken, was wir in den
letzten drei Tagen da erlebt ha-
ben.
Dann muss ich ein letztes
Mal weinen.
Sevi


34 made again
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made again 35
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bringt.
Beispiel: dies ist ein Quantens
prung
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Offenkundig hatten Maril-
lion am Samstagabend der
diesjhrigen Conventions
nichts Geringeres als ge-
nau dieses vor: Einen fr
den Marillion-Kosmos im
Hinblick auf Konzerteffekte,
Lightshow und Live-Prsen-
tation gigantischen Schritt
nach vorn zu machen. So
mancher wird diese Ent-
wicklung sicherlich gern
als groartig, phnomenal,
beeindruckend, gigantisch,
schlichtweg ,,WOW! ab-
feiern, doch im Gedchtnis
bleiben leider nicht aus-
schlielich positive
Aspekte. Eine Rckschau.
BereitsamSamstagnachmittaggibt
es erste Hinweise darauf, dass der
heutige Abend showtechnisch ein
ganz besonderer werden sollte: Im
Market Dome des Center Parcs traf ich Leon
Parr [Drummer der Steve Rothery Band und
Mosley-Ersatz auf der ,Cruise to the Edge`
anno 2014], der mir erzhlte, dass er sich
heute auf keinen Fall den Soundcheck von
Marillion anschauen wolle, da ihm dann
schon einiges von der Vorfreude auf die
abendliche Show genommen wrde. Auf
meine Nachfrage, was er denn damit genau
meine, antwortete er, Phil [Brown, Front Of
House-Mixer] habe ihm erzhlt, dass die
Marbles-Show lichttechnisch ,Pink Floyd-
mig` phnomenal werden wrde. Selbst
Phil, der Marillion ja nun schon seit Jahren
auf diversen Touren begleitet hat, sei von
der Intensitt der visuellen Effekte wegge-
blasen worden. Somit stnde Leons Ent-
schluss fest, sich den Gesamteindruck
nicht bereits durch beim Soundcheck vorab
gereichte Hppchen schmlern zu lassen,
sondern auch erst zur Showtime das Zelt zu
betreten und sich dann von der Prsenta-
tion als Ganzes begeistern zu lassen.
Das klang ja nun wirklich mal interes-
sant! Spannend auch, dass mehrere Front-
Row-Wiederholungstter, denen ich beim
Schlendern ber das Gelnde begegnete,
sich Gedanken darber machten, ob es
nicht doch ausnahmsweise an diesem
Abend mal die bessere Wahl sein knnte,
sich etwas weiter hinten im Zelt zu
platzieren, um die Bhnenshow
in ihrer Gesamtheit genieen
zu knnen.
Unsere Entscheidung
fllt trotzdem auf frhzeiti-
ges Queuen und demzu-
folge auf Pltze in vor-
derster Reihe. Ein Blick
auf den Bhnenaufbau
macht klar, dass die
Jungs sich wohl tatsch-
lich einiges vorgenom-
men haben: Die Bhne
wird eingerahmt von zwei
seitlichen und einer ,,Top-
36 made again


of-Stage - Projektionsflchen, hinter Ians
Drumkit - in diesem Jahr erstmals durch
eine Plexiglasscheibe seitlich von Marks
Keyboards abgegrenzt - ebenfalls eine
groe Leinwand als Backdrop, und auch
die Vorderkante der Empore, auf der
die beiden ihre Instrumente aufgebaut
haben, scheint als Projektionsflche
gedacht zu sein. Diesmal gibt s keinen
Catwalk wie vor zwei Jahren, aber mittig
vor der Bhne ist mit ein paar Metern
Abstand vorn noch ein weiteres kleineres
Podium aufgebaut, auf dem Los Trios
wohl ausreichend Platz finden drften.
Da heute die Murmeln im Vordergrund
stehen, drfte die Setlist dem geneigten
Leser einigermaen bekannt sein, wes-
halb es sich wohl erbrigt, hierauf allzu
detailliert einzugehen.
Schon beim Opener geben die Maril-
los die visuelle Richtung eindrucksvoll
vor: das etwas lnger gezogene Instru-
mental-Intro zu Invisible Man wird beglei-
tet von ersten Projektionen, die sich
schlielich zu einem Gitternetz formen,
welches sich in einen stilisierten mensch-
lichen Kopf verwandelt, aus dem sich
letztendlich das Konterfei von Steve
Hogarth schlt. Als dieser die ersten Zei-
len ,,The world s gone mad... anstimmt,
kommt bereits das erste Mal Gnsehaut-
feeling auf! Groartiger Effekt! Steve
starrt von der Leinwand beinahe hypno-
tisch ins Publikum, scheint Einzelne zu fi-
xieren und transportiert schon jetzt einen
Hauch des spter noch deutlicher wer-
denden Wahnsinns des Protagonisten.
,,Ist das jetzt wohl live hinter der Bhne
gefilmt oder wird da eine Aufnahme ein-
gespielt? , hre ich von meinem Neben-
mann. Ist mir doch jetzt egal! Sieht das
vielleicht einfach mal klasse aus?!
Und genau so geht es weiter der ge-
samte Song wird mit passenden Bildern
auf den Leinwnden unterlegt; die Autos
rasen an h vorbei und man wandert mit
ihm unter Bumen durch den Park und
vorbei an St. Stephen. Dazu kommt die
wie immer eindrucksvolle Darbietung des
Songs; h singt das Stck ja nicht einfach,
er lebt den Unsichtbaren geradezu.
Beeindruckend!
Im weiteren Verlauf des Konzertes
wird mehr und mehr deutlich, dass hier
und heute wohl das Konzept verfolgt
wird, die Atmosphre und Aussage jedes
einzelnen Songs durch passende Video-
Einspielungen noch zu unterstreichen
und zu verstrken. Wirklich jeder Song
hat einen eigenen kleinen Filmclip ver-
passt bekommen! Ob dieser jeweils den
Geschmack des Zuschauers trifft, sei mal
dahingestellt, aber die Idee und deren
Umsetzung machen den heutigen Abend
schon ganz besonders. Mal gibt es Bond-
mige Collagen von auf der Leinwand
tanzenden Silhouetten zu bewundern,
mal rollen Murmeln durchs Bild, dann
wieder bemhen sich animierte Zeichen-
trickfiguren, das visuelle Erleben ab-
wechslungsreicher zu gestalten.
Bei Ocean Cloud sitzen wir pltzlich
im selben Boot wie der Erzhler und erle-
ben dessen Reise sozusagen aus der Ich-
Perspektive: leicht schaukeln die Wellen
und wir betrachten bei leichtem Seegang
entspannt den auf der Leinwand aufge-
henden Mond.
made again 37


Doch man wei ja, was kommt; zu-
nchst die Einberufung, der Marsch an
die Front, und dann das:
,,The wind changed...
Something in the air - For those who
know the signs - Something in the air -
A storm...
Himmel und Wellen auf der Leinwand
verdunkeln sich bedrohlich, nehmen ei-
nen grnlichen Schimmer an, der See-
gang wird strker, das Boot schaukelt
bengstigend auf und ab, der Mond ver-
schwindet immer wieder in den sich hoch
auftrmenden Wellen und man kann bei-
nahe den Regen spren, der einem ins
Gesicht peitscht.
,,Watch me. Watch me -
Paint this picture - Watch me. Watch me.
God above...
Hoch dramatisch! - Wohl dem, der sich
hier als seefest erweist... Doch letztlich
beruhigt sich Poseidon wieder, die
Wogen gltten sich und wir bekommen
zumindest innerlich wieder festen Boden
unter die Fe. Puh! Was fr ein Ritt!!
Marbles ist, das wird mir heute Abend
wieder einmal mehr als deutlich, einfach
,,mein Album. Selten gespielte Songs
wie Genie, The Only Unforgivable Thing,
das etwas schwle Angelina oder auch
den Marbles-Vierling mal (wieder) live zu
hren ist schon was Besonderes. Und
auch weniger geliebte Stcke wie The
Damage oder Drilling Holes passen sich
in dieses Album einfach nahezu perfekt
ein. Von den Alltime-Classics Fantastic
Place oder Neverland ganz zu schweigen.
Im Zugabenteil kommen die Jungs
dann auch noch unter anderem mit King
um die Ecke, whrend dessen sich auf
der Leinwand diverse selbst- oder fremd-
ernannte Helden nicht wenige bereits
von uns gegangen tummeln: Bilder von
John Lennon, Marilyn Monroe, Kurt
Cobain, Amy Winehouse, John Bonham,
Robin Williams und vielen anderen unter-
malen und intensivieren diesen Song in
38 made again


made again 39
bemerkenswerter und berhrender Art
und Weise.
Ich bin mir sicher, dass die hoffentlich
nicht allzu weit in der Zukunft erschei-
nende DVD/BluRay dieser Inszenierung
beeindruckende Bilder bereithalten wird
und sicherlich sehr oft in meinem Player
rotieren wird.
Wo also liegt das Problem?
,,Inszenierung und ,,groe Bhnen-
produktion sind hier wohl die entschei-
denden Begriffe. Lucy Jordache hatte an
irgendeiner Stelle mal erwhnt, dass die
Vorbereitungen fr die 2015-Convention
bereits seit ber einem Jahr im Gange ge-
wesen seien. Wer diese Produktion am
Samstag in Port Zlande gesehen hat, be-
kam eine Ahnung davon, dass diese Vor-
bereitungen sich nicht nur auf die Organi-
sation von Buchungen, die Belegung der
Chalets und die Anmietung von Zelt und
Equipment beschrnkt haben drften.
Scheinbar wollten alle Beteiligten die
Messlatte fr Bhnenproduktionen ein er-
hebliches Stck weiter nach oben legen.
Filmproduktion, Lichtdesign und letzten
Endes mglicherweise sogar choreo-
graphisch geprgte Proben drften
erhebliche Mengen an Zeit und Energie
(und Nerven) gekostet haben.
In der Konsequenz bedeutete dies fr
den Samstagabend, dass wir kein ,,nor-
males Marillionkonzert erlebten, son-
dern eben einer Inszenierung beiwohn-
ten, die bis ins Kleinste durchgeplant und
-geprobt und stellenweise auch vorgege-
ben war.
Steve Hogarth hatte offensichtlich
klar definierte Stellen, an denen er sich
bei bestimmten Songs aufzuhalten hatte -
vermutlich, um die geplanten visuellen
Eindrcke realisieren zu knnen. Das er-
fordert natrlich ein hohes Ma an Dis-
ziplin und geht andererseits klar zu Las-
ten der Spontaneitt. ,,Where am I
supposed to be now? fragte h
an einer Stelle whrend des
Konzertes - ,,Wo soll ich
mich jetzt hinstellen?
Besonders deutlich
wurde die Anspannung
dann im Anschluss an The
Damage (wie passend!):
Zunchst einmal war offen-
bar der fr die linke Lein-


wand zustndige Beamer lngere Zeit
ausgefallen, was uns vorn rechts ber-
haupt nicht aufgefallen war. Dann zickten
Keyboard-Samples rum, h s Power-Pedal
fr die Gitarre funktionierte nicht und
musste schleunigst von Pete Harwood
ausgetauscht werden, Ian hrte sein
Drum-Click nicht und zu guter Letzt hatte
h auch noch das Gefhl, die Gitarre sei
verstimmt.
Mit den Worten ,,I can t take this
anymore! strmte der Snger von der
Bhne und lie vier einigermaen ver-
wirrte Mitmusiker zurck. Zur berbr-
ckung schlug Rothers zwar spaeshalber
vor, einen Blues in ,C` anzustimmen, aber
die Anspannung stand allen deutlich ins
Gesicht geschrieben.
Nach einigen Augenblicken (fr man-
chen sicherlich eine gefhlte kleine Ewig-
keit) kehrte h auf die Bhne zurck, ent-
schuldigte sich ausdrcklich bei allen fr
seinen Aussetzer und das Konzert
konnte glcklicherweise ohne grere
Krisen weitergehen. Welch ein Glck,
dass hinter der Bhne irgendjemand das
passende Antidot fr des Sngers Ver-
stimmung bereitgehalten hatte! (Zitat h:
,,I ve had my medication and we can go
on now. )
Diese Episode und auch die Tatsache,
dass die Band nach dem regulren Set
seeeehr lange backstage blieb, bevor sie
zu den Zugaben wieder zurck kam, ver-
deutlichen meinen ganz persnlichen Ein-
druck, dass die Jungs fr diesen Abend
einen sehr hohen, perfektionistischen
Anspruch an ihre Darbietung hatten und
somit einen Drahtseilakt bewltigen
mussten, der einerseits zwar fr eine
grandiose Bhnenshow sorgte, anderer-
seits alle Beteiligten aber auch unter
einen erheblichen Erfolgsdruck setzte.
40 made again


Zudem blieben durch diese durchge-
plante Show sowohl Spontanes als auch
der Spafaktor deutlich auf der Strecke.
Es bleibt auch in der Rckschau das
Gefhl, dass die Band sich mit der Ent-
scheidung fr eine groe Bhnenproduk-
tion selber in ein allzu enges, ja ein-
engendes Korsett gepresst hat, was sich
nicht zuletzt darin uerte, dass die
Hauptakteure sehr dnnhutig auf techni-
sche Probleme reagierten, weil diese
mglicherweise die gesamte perfekte
Produktion gefhrden knnten. Somit
frage ich mich schon, ob die Band sich
(und evtl. auch den anwesenden Fans)
damit zumindest fr diesen Abend wirk-
lich einen Gefallen getan hat.
Ich erinnere mich noch an ein Konzert
in jngerer Vergangenheit, whrend
dessen Mark seinen Keyboard-Part bei
80 Days so gar nicht in den Griff bekam
und ziemlich viele Misstne produzierte.
Das drfte ihn zwar sehr gergert haben,
das Publikum und auch Marks Mitstreiter
auf der Bhne nahmen diesen Aussetzer
allerdings mit Humor und Mark wurde im
Anschluss an seinen missratenen Solo-
part sogar noch besonders abgefeiert.
Dies wre anno 2015 meiner Meinung
nach zumindest am Samstag undenkbar
gewesen.
Schade!
Doch wie gesagt: Die Konserve dieses
Abends wird mit Sicherheit beeindru-
ckend!
Glcklicherweise erschien der Sonn-
tagabend dann in einem komplett ande-
ren Licht. Aber das ist eine andere Ge-
schichte...
Taliesyn
made again 41


42 made again


made again 43
Der verschossene Elfmeter im Halbfinale, die
unverschmte Kollegin, der nervige Nachbar, die
Exfrau, der Versicherungsmakler (sowie deren
mnnliche, bzw. weibliche Pendants), die neues-
ten Streichungen der Landesregierung oder auch
die jngsten Gerchte um Vaterschaftsklagen
und Samenraub - all dies sind Themen, die sich
natrlich an verschiedensten
Orten herrlich emotional und kon-
trovers diskutieren lassen. Doch
nirgendwo ist es doch so ergiebig
und unterhaltsam wie auf ,seinem`
Barhocker an der Theke in der
Kneipe um die Ecke, oder?! Gibt es
zielfhrendere und befriedigen-
dere Diskussionen als jene, in
denen man mit dem rmel im ab-
gestandenen Bier, immer frisch
versorgt mit dem Kaltgetrnk seiner Wahl, vor
sich eventuell sogar eine Schale trockener Erd-
nsse, lautstark gegen ein aus der Musicbox
drhnendes ,,Atemlos anargumentiert, immer
in der Hoffnung, sich nicht vollkommen in den
mhsam gesponnenen Fden der eigenen Be-
weisfhrung zu verstricken und sich damit der
Lcherlichkeit nicht nur seines Gegenbers,
sondern gleich des gesamten Thekenpersonals
auszusetzen?
Warum also nicht auch mal die Gelegenheit des
After-Show-Bieres nutzen und das Marillion
Weekend in Port Zlande anno 2015 (kurz:
MWPZ15) Revue passieren lassen und einer
genaueren, wenn auch nicht immer komplett
ernsthaften Betrachtung unterziehen?
(Handelnde Personen in diesem Zwiegesprch
sind frei erfunden; hnlichkeiten mit wem auch
immer sind rein zufllig und beabsichtigt.)
ATTHE
END
OFTHE
BAR


44 made again
Schnen guten Abend, Herr Kollege. Prost
erst mal. Das war s dann also mal wieder
fr dieses Jahr. Und schne Convention
gehabt?
So ganz spontan? Alles in allem schon okay.
Schade nur, dass man inzwischen so viele
Leute kennt und kennenlernt, dass man das
Gefhl bekommt, die Konzerte stren ein
wenig den zeitlichen Ablauf. Die bringt man
ja vor lauter Sozialverpflichtungen
kaum noch unter. Schn auch,
dass kein Stress mit der
Freundin aufkam. War ja im-
merhin ihre erste Conven-
tion. So ein Beziehungs-
drama knnte den Ablauf
ja auch schon mal gering-
fgig stren. Aber viel-
leicht sollte ich auch mal
wie du queuen (schreibt
man das so in Deutsch?).
In Deutsch schreibt man:
,Schlange stehen` ;c).
Ja nee, is` klar...jedenfalls kriegt man ja von
dem Rest nix mit, wenn man kurz nach dem
Frhstck mit dem Lunchpaket in der
Schlange steht. Wie ist das eigentlich, wenn
man sonntags in der Schlange vor ver-
schlossener Tr steht und 2 Meter weiter
die Leute bei ,Swap the Band` rein und raus
gehen aus dem Zelt? Kommt man sich da
nicht bld vor?
Och, naja...nicht blder als sonst auch. Ich
bleibe ja dabei: Super Sache, das. Zumin-
dest anno 2015, also diesmal. Da hilft na-
trlich die Aussicht, schon bald einen
prima Blick auf die Geschehnisse auf der
Bhne zu haben. Auerdem ist man ja doch
(berwiegend) von netten Menschen umge-
ben, die sich teilweise auch schon seit Jah-
ren kennen.
Nun gut - ein paar Frischlinge sind immer
dabei, die sich noch nicht so ganz ausken-
nen mit den Gepflogenheiten vor der
Venue. Frag mal Brbel und Jazz... Aber
letztlich lsst sich ja alles regeln. Und
irgendwann geht es bei den meist vorherr-
schenden Temperaturen eh nur noch ums
Durchhalten und ,,Nicht-festfrieren .
Wie jetzt? Verstehe ich das richtig: man
friert sich den Allerwertesten ab und muss
sich dann auch noch mit irgendwelchen
Pappnasen herumrgern? Und das auch
noch freiwillig??
Ja klar. Soll ja auch Spa machen, das
Ganze! Aber die grte Gefahr bei der gan-
zen Sache sind ja eh die Sportverletzungen:
Quetschungen und Prellungen (zugezogen
whrend des Sekundenbruchteile nach
dem ffnen der Tren einsetzenden Ge-
drnges und Geschubses), Zerrungen und
Muskelfaserrisse (entstanden beim Spurt
durch das Zelt - vorbeugendes Aufwrmen
und Dehnen sind da ganz wichtig!) oder
Rippenprellungen oder Stauchungen des
Handgelenkes, die man sich nach dem
Spurt durch den Aufprall am Frankfurter
Gitter direkt vor der Bhne zuzieht.
Was kann dagegen schon ein Swap the
Band bieten?
...und man nimmt auch noch stumpfe Ver-
letzungen in Kauf. Hrt sich ja schwer nach
Familienfeier an. Also das gelebte Motto
der Veranstaltung. Da kann sowas wie
Swap the Band nicht mithalten, obwohl
ein live dargebotenes Assassing am Nach-
mittag ja auch was hat. Vor allem, wenn
man im Zelt ist. Aber mal unter uns: Was
macht ein Front-Rower, wenn er mitten im
Konzert aufs Klo muss? Katheter? Das Recht
des Strkeren, um wieder an seinen Platz
zu kommen? Oder laufen die am Ende alle
x-beinig mit verkrampften Gesichtszgen in
die Keramikabteilung?
Ich sach ma so: im Sanittshaus knnte
man fr derlei Problemstellungen ebenso
Lsungen finden wie in der Babyabteilung
fhrender Drogeriemrkte.
Und ansonsten gilt: der Gentleman geniet
und schweigt...


Aber ernsthaft ist es bei unseren Familien-
feiern doch berwiegend so, dass man sich
kennt und schtzt und daher seinen Platz
an der Sonne nicht wieder neu erkmpfen
muss, sondern tatschlich mit freundlichem
Lcheln wieder vorgelassen wird und es
sich am angestammten Platz wieder gemt-
lich machen kann.
Aber wie ist das denn eigentlich weiter
hinten so? Frhliches Gruppenschunkeln?
Gemeinsames Absingen der Familien-
Hymnen? Oder wie?
Also, was das Visuelle angeht, hat sich das
ja gelohnt, die ganze Bhne zu sehen. Ich
mag das, weil gerade die Musik von Maril-
lion dazu einldt. Die DVD wird das spter
nicht mehr alles einfangen knnen, ge-
nauso wenig wie stndig nur Nahaufnah-
men zu sehen sind. Die Atmosphre im
Publikum bekommt man auch herrlich mit.
Allerdings ist das nicht immer ein Vorteil.
Gequatsche, Bierholer und die Hobbyspiel-
bergs mit ihren Handys sind ein Risikofak-
tor in der Menge. hnlich wie im Kino. Da
sitzt ja immer einer mit der Chipstte hinter
dir, der zustzlich noch mit dem Knie stn-
dig gegen deine Lehne donnert usw. Da
kann man schon mal Pech haben. Wovor wir
uns in der Menge, sowohl vorne als auch
hinten, berhaupt nicht schtzen knnen,
sind die, die innerlich verwesen. Die hauen
Gase raus, dass einem nicht nur die Augen
trnen, sondern smtliche Nasenschleim-
hute vertzt werden. Umstehende nehmen
Schaden und schauen sich vorwurfsvoll ge-
genseitig an. Und der einzige, der sich nicht
fragend umschaut, der war es. Aber die Be-
weislage ist dnn und bevor man aktiv wer-
den kann, wird die nchste Salve abge-
schossen. Da gehts dann nur noch ums
nackte berleben.
Durchaus nachvollziehbare Kritik, das muss
man schon sagen. Allerdings sicherlich
schwer einzudmmen, diese Problematik.
Auch am anderen Ende sorgen unheilige
Dmpfe durchaus fr erhebliches Unbeha-
gen. Ich bin ja schon seit Jahren dafr, mit
den Tickets gleich nen Zehnerpack Pfeffer-
minz zu verteilen. Es ist wahrlich nicht im-
mer die reine Freude, zur Unzeit olfakto-
risch an die letzte Mahlzeit seines
Nachbarn erinnert zu werden. Auch der Ge-
brauch von Deo scheint in Konzerthallen
und -zelten zunehmend aus der Mode zu
kommen...
Vielleicht sollten hier auch mal die Band
und das Management aktiv werden. Handys
und Gequatsche sind nicht die einzigen Pro-
bleme, die Konzertgnger nerven. Flatulen-
zen gehren definitiv dazu. Erster Satz nach
dem Gig: Das Konzert war ja super, aber
wer hat denn da so gefurzt? Liebhaber von
Hlsenfrchten erhalten dadurch viel zu
viel Aufmerksamkeit. Das darf nicht sein!
Dagegen muss was unternommen werden.
Es wird noch so weit kommen, dass Kon-
zerte nur noch fr gut befunden werden,
wenn man das Glck hatte, diesen Winden
zu entgehen. Kein Wind, also toller Auftritt.
Das Wahrnehmungsverhalten wird gestrt.
Aber wie geht man dagegen prventiv vor,
wenn Ernhrungsumstellung nicht gesetz-
lich verankert wird? Flatulenztest bei der
Security am Eingang? Die wird sich bedan-
ken. Nee, das ist ein schwerwiegendes Pro-
blem, das nicht unterschtzt werden darf.
Aber jetzt mal abgesehen von derartigen
Eindrcken. Wie war es denn sonst so im
Center Parc zu Ouddorp?
Chalet o.k.? Beim Spalauf gut drauf?
Wie kam das Rahmenprogramm?
Beim Queuen...
Schlange stehen.
,,Gequatsche, Bier-
holer und die Hobby-
spielbergs mit ihren
Handys sind ein Risiko-
faktor in der Menge
made again 45


...kriegt man davon ja eher wenig mit. Ich
habe es gerade mal geschafft, an der Sam-
melaktion mit Losverkauf fr den Teenage
Cancer Trust teilzunehmen. Zwei Stunden
am eigens dafr eingerichteten Stand mit
der Sammelbchse. Das war insgesamt
nicht nur ein voller Erfolg (4000 Euro kn-
nen von Stephanie an den TCT berwiesen
werden!), sondern hat zudem auch durch-
aus Spa gemacht. Wir haben eine Menge
Leute getroffen und gesprochen.
Interessant, als der Bewohner des Chalets
Nr. 666 in Freizeitschlappen vorbeischlen-
derte, um sein Scherflein beizutragen.
Hat sich als Louis eingetragen, der Typ,
Louis Cyphre. ;c)
Damit war das ja diesmal schon beinahe ein
Bibelwochenende: When I Meet God, The
Only Unforgivable Thing, Gott hchstselbst
schwingt die Gitarre und dann noch das.
Gab s am Ende eine epische Schlacht?
Zumindest nicht so, dass ich davon was
mitbekommen htte; aber man kann halt
nicht alles haben. Allerdings gab es noch
eine sehr nette Geste der Organisatoren:
am Sonntagnachmittag waren die vielen
Helferlein der Sammelaktion noch als Dan-
keschn zu einem kleinen Umtrunk mit
Kuchen eingeladen. Wenn da nur die Queue
nicht gewesen wre...
Aber zu deiner Frage: Wie du ja weit, hat-
ten wir nur einmal schlechtes Wetter, nm-
lich an den ersten 2 Tagen. Dadurch haben
wir es etwas ruhiger angehen lassen und
die meiste Zeit mit Freunden und Bekann-
ten verbracht. Da waren einige dabei, die
das zum ersten Mal mitgemacht haben.
Samstagmorgen Punkt 9 haben wir uns
dann den Merch gegeben, also auch
queuen.
Schlange stehen.
Jaja. Das Angebot war jedenfalls gro und
ich als personifizierte Nachfrage hab dann
auch alles gegeben bzw. genommen. Beim
Bezahlen hab ich rote Flecken im Gesicht
gesprt.
Das kenne ich. Da kommen dir brtige,
schwitzige Zwei-Meter-Schrnke in Kilts mit
dem Hammer ber der Schulter entgegen
und weinen hemmungslos ob der dargebo-
tenen finanziellen Opfergaben am Altar der
Marillionados. Im Arm nicht selten eine
Tte voller Devotionalien, welche zrtlich
geherzt, gestreichelt und vor unbefugten
Blicken geschtzt wird. Manchmal hrt man
sogar geflsterte Zrtlichkeiten in Richtung
der erworbenen Waren.
Immer wieder ergreifend.
Am Sonntagmorgen nach zu wenig Schlaf
hab ich mir jedenfalls diesen Fun -Run ge-
geben. Etwas arrogant hab ich mir noch am
Treffpunkt ne Zigarette ins Gesicht ge-
steckt, was nicht alle lustig fanden. Aber
kleine Snden bestraft der liebe Gott ja so-
fort und der Kelly Mark hat ein sehr ordent-
liches Tempo vorgelegt, also statt funrun
eher ,,no fun just run . Bei km 1 verliere ich
die Wahrnehmung fr die Umwelt und kon-
zentriere mich nur noch darauf, irgendwie
mitzuhalten: Nach 3 km hat Mark dann an-
gehalten (ich war brigens noch in der
rckwrtigen Spitzengruppe), dreht sich
um, macht ein Foto von seinen Jngern und
ich sag noch so im Scherz (zu diesem Zeit-
punkt hatte ich schon fliegende Krokodile
vor den Augen): ,,Das Aufwrmen war ja
leicht. Knnen wir mal mit dem Laufen an-
fangen? Ich hre nur noch was von
,,Wenn Menschen
aus`m Pott die Bayern-
Fraktion zu Leberks
und Krautsalat einla-
den, dann kann das fr
alle Beteiligten interes-
sant werden
46 made again


,Soundcheck` und weg war der Mann mit
ohne Haare. Das Tempo konnte ich dann
nicht mehr ganz halten, aber ich war ja
auch nicht auf der Flucht. Nicht allzu weit
hinter den Fhrenden kam ich an.
Du meinst, da standen nachmittags immer
noch ein paar Versprengte rum?!
Du mich auch.
Die Stimmung war jedenfalls echt locker
und es hat allen Beteiligten sichtlich Spa
gemacht. Ich hab mir dann erst mal ne
Zigarette angesteckt..., aber lassen wir das.
Dann schnell duschen und ab zum Fanclub-
Treffen.
Ja genau - in der Zeit hatte ich gerade Sam-
melbchsen-Dienst. Von dem Treffen habe
ich leider viel zu wenig mitbekommen.
Das war wirklich sehr, sehr nett. Nicht nur
wegen der anderen Teams. Ich hatte mich
mit ein paar Leuten verabredet, die wie ich
vor zwei Jahren bei Made Again Fahne
schwenkend auf der Bhne gestanden hat-
ten. Das Film-Team, was das ganze Wo-
chenende ber da rumgelaufen ist, hat uns
dann auch gleich noch interviewt, worauf
Jrg mich kurzzeitig zum Pressesprecher
des Teams ernannt hat. An unserem Tisch
saen dann spter Vertreter aus sieben
Nationen, u.a. Russland, Palstina und den
Cayman Islands, das war richtig klasse und
sagt alles ber die Family aus.
Also wenn man wollte, konnte man auch
abseits der Konzerte und des Queuens - ja
ich wei! - was erleben.
Was das Chalet angeht, war alles ok, das
war recht zentral. Aber was sich da drinnen
abgespielt hat, nun ja, nur so viel: Wenn
Menschen aus`m Pott die Bayern-Fraktion
zu Leberks und Krautsalat einladen, dann
kann das fr alle Beteiligten interessant
werden. Dass daraus aber Erlebniskochen
bzw. Fusion-Kche geworden ist, war nicht
abzusehen. Ich kann das hier nicht weiter
erzhlen, weil ich sonst meine ber Jahre
hart erarbeitete Reputation in meiner Wahl-
heimat Bayern aufs Spiel setze. Zumindest
hat das Improvisationstalent unseres Chef-
kochs Holger dafr gesorgt, dass wir nicht
ans Wasser gehen mussten, damit die
Enten uns fttern.
Aber mal was ganz anderes: Prost!
Dabei fllt mir ein: Wie hast du
denn dieses neue Token-Sys-
tem empfunden?
Neues Tokensystem ?
Was genau war denn neu
daran? In den letzten Jah-
ren gab es doch auch
schon immer grne Chips,
die man gegen Kaltge-
trnke eintauschen konnte.
Neu war fr mich nur die Ge-
staltung der Rundlinge entspre-
chend der Wochenendthematik, wodurch
die Teile quasi umgehend zu begehrten
Sammlerobjekten mutiert sein drften.
Schade brigens fr all jene, die noch die
Taschen voller grner Chips aus den letzten
Jahren hatten und diese jetzt nicht los
wurden ; c)
Sorry, ich meinte ja auch diese lustigen Au-
tomaten und das nette Design. Auf einmal
mattenweise Barry-Token statt der grnen
Chips, die in grerer Stckzahl gerne mal
im Frischhaltebeutel fr die Frhstcks-
pause ausgegeben wurden. Und natrlich
hab ich auch einen behalten. Wenn das je-
der der 3000 Besucher gemacht hat sind
das ca. 10000 Euronen fr nix. Lustig waren
in diesem Zusammenhang auch die Panik-
verschenkungen am letzten Abend. Nach je-
der Runde Bier hatten wir auf einmal mehr
Tauschmittel fr Getrnke auf dem Tisch lie-
gen als vorher. Das war ganz schn anstren-
gend. Da die grnen Chips noch nicht mal
fr n Einkaufswagen taugen, sollten die
jetzt zeitnah entsorgt werden.
Merkwrdig fand ich allerdings die
Entscheidung, keine Geld-, sondern nur
Wechselautomaten auf dem Gelnde
aufzustellen.
made again 47


Selbstverstndlich macht so ein Token-
system den Bezahlvorgang einfacher und
gerade an der Theke auch schneller; aller-
dings finde ich ja auch schon seit langem
die Getrnkepreise im Center Parc mehr als
kritikwrdig.
Wenn der Preis eines Pitscher Kaltschale
auf ber 13 Euro festgenagelt wird, tut das
schon weh. Immerhin ist ein Was-
ser deutlich gnstiger zu ha-
ben und kommt dafr ver-
mutlich auch frisch aus
der Leitung...
Gab es eigentlich die
Mglichkeit, unge-
nutzte Chips zurck-
zutauschen? Die Frage
stelle ich mir ja auch
erst seit zehn Jahren...
ber Getrnkepreise mache
ich mir bei solchen Veranstal-
tungen schon lange keinen Kopf
mehr. Wenigstens gab`s grere Behlt-
nisse als die Reagenzglschen und auer-
dem konnte man das Grachtendestillat die-
ses Jahr auch genieen, ohne am nchsten
Tag den berhmten Rathausschdel zu ha-
ben. Wir hatten ja auch Selbstversorgerbier
dabei, aber im Zelt oder der Factory kommt
man damit auch nicht weiter. Is aber immer
n Kompromiss, wenn man nicht nur in der
rtlichen Gastronomie verweilt. Und das
mit den ungenutzten Token, nun ja..., frag
mich das 2017 noch mal, da werde ich dir
das auch nicht sagen knnen. War das alles
worber du rummeckern kannst, oder gab
es etwas, das dich richtig aufgeregt hat?
Enthusiasmus kann ja im Moment jeder. Da
knnte man ja mal gegenarbeiten!
Hmmm...so richtig meckern? Lass mich mal
denken...
Zu kalt...
...und zu wenig Zeit fr zu viele nette Men-
schen, die man noch hatte treffen knnen...
Zwei Abende Rockaoke.
Das war mir persnlich mal mindestens ein
Abend zu viel. Auch wenn Martins bhmi-
sche Rhapsodie ganz schick gewesen sein
mag, htte ich doch lieber zumindest am
Sonntag noch ne znftige Farewell-Party
mit Alltime-Rock-Hits gehabt anstelle von
sicherlich sympathischen und ambitionier-
ten Fans aus aller Welt, die sich mit mehr
oder weniger berwltigendem Erfolg an
unsterblichem musikalischen Material ver-
suchen.
Da htte mir ein Abend durchaus gereicht,
vor allem, weil ich an die Abschlussparties
der letzten Jahre beraus angenehme
Erinnerungen habe.
Ansonsten?
Ich muss gestehen, ansonsten habe ich gar
nicht viel zu meckern.
Die Organisatoren - allen voran Stephanie
Bradley - haben einen richtig guten Job ge-
macht, nahezu alle Buchungswnsche er-
fllt und uns ein richtig gutes Weekend be-
schert.
Ich gebe dir Recht. Das Wochenende war
was Orga und Konzerte angeht ne Wucht,
aber auch wir haben Probleme mit unseren
Mitmenschen gehabt. Ich will da gar nicht
in die Details gehen. Mit einem Auge immer
auf meine 170 cm groe Freundin schau-
end, war es stellenweise schwierig, die Sa-
che zu genieen. Abgesehen davon, dass
es ab Samstag keine Videoprojektionen
vom Bhnengeschehen mehr gab, mit de-
nen man sich bei schlechter Sicht zur
Bhne begngen kann, hatten wir einfach
zu viele Leute um uns rum, die scheinbar
etwas komplett anderes erleben wollten als
wir. Das hatte teilweise schon Kegelausflug-
charakter. Neben dem Alkoholpegel, den
ich als generell hher empfunden habe als
frher, war meine persnliche Toleranz-
grenze in Bezug auf Mobiltelefone, laut-
starke Debattierzirkel und stndiges Ge-
drnge zur Theke oder den Toiletten sehr
niedrig. Da ist von einigen Leuten sehr we-
nig Rcksicht genommen worden. Und das
kannte ich bislang in der Form nicht. Jetzt
mit ein bisschen Abstand kann ich das
gleichmtiger beurteilen, aber ich war am
Samstagmorgen noch gut auf 180. Und es
48 made again


stimmt mich eigentlich ziemlich traurig,
dass wir mit unserer Gruppe am Sonntag ei-
nen menschlichen Schutzwall bilden muss-
ten, so dass sich kaum jemand an uns vor-
beischieben konnte oder wollte. Da mutiert
man selbst zum Ar***. Aber erfolgreich war
es trotzdem. Da stimmt doch was nicht.
Vielleicht hlfe in der Zukunft ja rot-weies
Flatterband zur Absperrung?!
Aber in der Tat habe ich am Samstag vor
dem Konzert auch wieder mal an dem men-
talen Gesundheitszustand unserer Mitmen-
schen gezweifelt.
Da steht man Stund` um Stund` vor dem
Eingang, alles ist gut und abgesperrt und
organisiert und dann geht die Tr auf und
pltzlich vergessen unsere Stammesgenos-
sen jegliche Kinderstube, Freundlichkeit
oder Rcksichtnahme, die ihnen mglicher-
weise jemals zu eigen gewesen sein mag.
Wie eine Herde aufgeschreckter Gnus auf
der Flucht vor der bsen Raubkatze strmt
die Meute los und versucht, sich ohne
Rcksicht auf Verluste im Kampf um die
Pole Position vor der Bhne in eine mg-
lichst gute Ausgangsposition zu bringen.
Ja, es war fr einige Momente nicht nur un-
angenehm und fr einzelne vermutlich so-
gar bedrohlich, sondern schlichtweg
schwer daneben. Immerhin reden wir hier
nicht von den zu erbeutenden letzten Trop-
fen Wasser whrend einer Drreperiode,
die man zum berleben braucht, sondern
nur von dem Besuch eines Konzertes. Und
da veranstalten die besten Fans der Welt
vor dem Gig eine Mini-Stampede. Und
singen anschlieend vermutlich voller
Inbrunst there s not enough love to go
round ...
So ist das wohl. Aber mal ehrlich: Muss ich
alle 5 Minuten Bier holen, nachdem ich
mich entschieden habe, das Konzert nicht
an der Bar, sondern mitten im Publikum zu
sehen?
Muss man bei mehr als 180 cm Krpergre
auch noch eine Jestermtze tragen?
Muss man das generell noch?
Muss ich trotz mehrmaliger Aufforderung,
dies einzuschrnken, mein Handy so hoch
halten, dass andere gestrt werden, nur um
verwackelte Filmaufnahmen mit miesem
Sound mit nach Hause zu nehmen?
Vielleicht habe ich das ja auch nur aus
Rcksicht auf meine Freundin anders und
strenger wahrgenommen, aber in Wolves
werden wir wohl frhzeitig queuen. Und
zwar fr einen Sitzplatz auf der Empore.
Gott sei Dank war ich nicht der Einzige, der
das so empfunden hat, sonst heit es wie-
der ich wr so empfindlich. Letztendlich
deckt sich das ja auch ein bisschen mit dei-
ner Erfahrung.
Tschuldigung - was hast du gesagt?
Ich hab gerade nicht zugehrt. Hab den
Barkeeper mit dem Handy gefilmt und
war Bier holen...
Is aber eins zu wenig. Da musst du wohl
noch mal gehen, aber warte bis der Theo
vom Pott zurck ist. Und dann gehe ich erst
mal eine rauchen und nach der Raucher-
pause versuchen wir es weiter vorne und
dann setzen wir alle unsere Sombreros auf
und singen Wolle Petrys Wahnsinn/Augen
zu und durch/Scheiegal. Vielleicht schaf-
fen wir es ja auf die DVD!
Super Idee.
In diesem Sinne: Prost!
made again 49


50 made again
Dieses Jahr fand das Marillion-
Weekend zum fnften Mal hinterei-
nander in Port Zlande statt also
quasi ein Jubilum. Und das hat
seinen Grund: Schlielich werden
wir dort jedes Mal uerst herzlich
willkommen geheien. Wie aber
empfinden es die Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen des CenterParcs,
fr ein ganzes Wochenende eine
britische Rockband (und deren
Fans) zu beherbergen? Zeit, sie
dazu zu befragen und es heraus-
zufinden...
Zum fnften
Mal in
Port Zlande
VON MARLOES DE WIT, THE WEB HOLLAND.
BERSETZUNG AUS DEM ENGLISCHEN: ALEX


made again 51


Ton Franssen, Technischer Manager:
Stell dir vor, du bist zum ersten Mal dazu
eingeteilt, an einer Veranstaltung bei
CenterParcs mitzuarbeiten, und dann ist
dieses erste Mal die Marillion-Convention!
Wahnsinn!
Von Anfang an, als mit dem Aufbau des Zel-
tes begonnen wurde, konnte man absehen,
dass dies ein riesiges Spektakel werden
wrde! An jenem Sonntag hatte ich einen
untersttzenden Dienst und so verbrachte
ich den ganzen Tag auf dem Gelnde. Was
fr eine entspannte Atmosphre und welch
eine Vielfalt unterschiedlicher Nationalit-
ten!! Ich kannte die Musik von Marillion
noch aus den Tagen, als Frits Spits seine
Sendung im nationalen Radio hatte (damals
in den Achtzigern), und es ist immer noch
,,meine Musik . Ihr knnt euch also vorstel-
len, wie glcklich ich war, diese Schicht zu
bekommen und dort ,,arbeiten zu knnen!!
Mein Highlight des Tages war natrlich der
Gig am Abend, aber auch an den anderen
Aktivitten hatte ich groe Freude, wie z.B.
an dem Quiz welches ein perfektes Bei-
spiel dafr war, wie groartig Band und
Fans miteinander kommunizieren und
an ,,Swap the Band . Bemerkenswert
gute ,,Stellvertreter fr jedes Bandmit-
glied, die beinahe genauso gut waren
wie ,,das Original !
Im Rckblick auf eine sehr erfolgreiche
Veranstaltung bleibt mir nur, zu hoffen,
dass wir sie in zwei Jahren wieder in
unserem Park begren drfen. Ich
werde definitiv wieder dabei sein!!
Bob, Abteilungsleiter Logistik
Fr uns in der Logistikabteilung be-
deutet das Marillion-Weekend im
Wesentlichen: Alle Ferienhuser
voll besetzt, und dies gepaart mit
einer frhen Anreise und jeder
Menge Trubel im Park. Wie bei
den vorherigen Marillion Week-
ends besteht eine der grten
Herausforderungen darin, all die
Bettwsche in die Ferienhuser
zu bekommen. Oder, um es ge-
nauer zu sagen: Neben all den Dusch- und
Kchenhandtchern sprechen wir von etwa
3.700 Bettwsche-Paketen. Eine Bestel-
lung, die uns in ca. 70-80 Gepckwagen an-
geliefert wurde.
Seit 2013 werden diese Pakete nicht mehr
durch die Logistikabteilung, sondern von
den Hauswirtschafterinnen selbst in die Fe-
rienhuser gebracht. Diese Damen haben
am 16. Mrz damit begonnen, die Pakete in
diejenigen Ferienhuser zu bringen, die
nicht belegt waren. Im Laufe der Woche ha-
ben wir, die Logistikabteilung, ihnen natr-
lich einen Tag lang dabei geholfen. In den
Tagen vor dem Weekend standen viele der
Huser leer, also nutzten wir diese Gelegen-
heit, um Stress zu vermeiden. Die brigen
Ferienhuser wurden am Freitag, 20. Mrz,
mit der kompletten Wsche bestckt.
Am Montag haben wir und die Hauswirt-
schaftsabteilung alle Huser leer gerumt
und die ganze schmutzige Wsche einge-
sammelt. Wenn sie benutzt ist, vergrert
sich natrlich ihr Volumen dies garantiert
somit einen beeindruckenden Wscheberg;
wenn ich eine Schtzung abgeben sollte,
wrde ich sagen: etwa 110 Gepckwagen!
52 made again


Den Mnnern, die das riesige Zelt auf- und
wieder abbauen, zollen wir groen Respekt.
Es sah sehr professionell aus und stellt eine
ziemliche Herausforderung unter schwieri-
gen Bedingungen dar.
Alles, was ich sagen kann, nachdem nun al-
les hinter uns liegt, ist, dass wir, die Logis-
tikabteilung, auf ein wirklich sehr erfolgrei-
ches Wochenende zurck blicken, daher
wrden wir Euch liebend gern in zwei Jah-
ren wiedersehen!
Sie war von Anfang an dabei und ist
daher fr die eingefleischten Convention-
Besucher selbst schon so etwas wie eine
Berhmtheit geworden:
Annette van Driel, Abteilungsleiterin
und Planerin Hauswirtschaft.
Auch war sie eine groe Hilfe bei der Orga-
nisation des Charity-Standes im Vorfeld der
Convention. Ihr Statement:
Whrend wir noch das Jahr 2014 schreiben,
beginnt bereits das ,,Kribbeln , sowohl bei
uns als auch bei den Fans. Auf Facebook
fangen die Leute an, mich zu fragen, ob ich
schon wei, ob und wenn ja, wann die
Marillion-Convention wieder in Port
Zlande stattfinden wird? Nun... ich wei
kein bisschen mehr als Ihr, aber ich liebe es,
all die Spekulationen zu lesen. Und dann,
endlich, erfhrt ,,die Welt es auch: JA,
,,MWPZ wird zum fnften Mal in Port
Zlande stattfinden!! Pltzlich ist es hek-
tisch geworden auf Facebook, alle sind
euphorisch, dass wieder Port Zlande aus-
gewhlt wurde als Ort fr eine extrem gute
,,Zusammenkunft . Und glaubt mir: Ich teile
diese Begeisterung!
Ich darf fr meine Abteilung arbeiten, Plne
werden aufgestellt und Personen eingeteilt
fr die Reinigung des Market Dome, des
Aqua Mundo und natrlich der Toiletten im
Zelt. Wenn sie mit dem Zeltaufbau begin-
nen, geht alles ganz schnell: Diese Mnner
haben wirklich Ahnung davon, wie man ein
Zelt errichtet! Tglich stellen wir Bilder
online, die den Fortschritt dokumentieren,
und die Reaktionen sind groartig: die
Leute stehen in den Startlchern und kn-
nen es kaum noch erwarten! Am Donners-
tag schleppen wir Reinigungsmittel, Putz-
lappen, Wischmopps, Rollwagen und einen
Meter breite Besen zum Zelt. Wir sind
bereit!
Im Laufe der Woche vor der Convention rei-
sen immer mehr Leute an Fans, Crew und
Band. Die Stimmung steigt von Tag zu Tag!
Am Donnerstag ziehe ich los und will einen
Blick darauf werfen, wie der Merchandise-
Stand aufgebaut wird just im gleichen Mo-
ment wie Mr. h und Lucy! Als ich an ihnen
vorbei laufe, sage ich ,,Willkommen zu-
made again 53
Schlsselbergabe fr die Bungalows
durch freundliche CenterParcs-Mitarbeiter


rck! Mr. h und ich geben uns die Hand
und er erzhlt mir, dass auch sie sehr glck-
lich sind, wieder zurck in Port Zlande zu
sein und dass sie sich auf ein tolles Wo-
chenende freuen. Wenn das nicht mal ein
guter Anfang ist! Also ist wirklich jeder froh,
wieder in Port Zlande zu sein!
Ich bernehme es als meine Aufgabe, mich
um den Bereich der Knstler zu kmmern,
versuche, wenn irgend mglich, die Garde-
robe und die Toiletten im Backstagebereich
zu subern, noch bevor die Band ankommt
oder whrend alle auf der Bhne sind. Dum-
merweise klappt das nicht immer dann
und wann laufe ich zufllig einem Bandmit-
glied in die Arme, aber wenn das passiert,
dann bekomme ich immer ein ganz freundli-
ches ,,Hallo Liebes! zu hren, oder man be-
deutet mir mit einer Geste, dass der Raum
,,komplett mein Reich sei. Was fr liebens-
werte Menschen sie sind! Sowohl die Band-
mitglieder als auch die Crew sind so freund-
lich, und sie genieen ganz offensichtlich
das, was sie tun.
Fr mich persnlich ist das ,,MWPZ etwas,
auf das ich mich aus mehreren Grnden to-
tal freue: Anfnglich ging es mir vornehm-
lich um die Atmosphre, dass diese Men-
schenmenge hier sein wrde, an meinem
Arbeitsplatz, so voller Liebe, unkompliziert,
entspannt und wie eine groe Familie. In-
zwischen aber betrachte ich mich selbst als
Teil dieser Familie, hauptschlich, weil ich
Freundschaften geschlossen habe und wir
auch im ,,normalen Leben miteinander re-
den, wenn gerade keine Convention stattfin-
det. Frher war ich ein Fan der Fans. Jetzt
bin ich eine der Fans! Ich mochte die Musik
schon immer, aber jetzt wei ich, dass mich
das Gefhl in Bann gezogen hat, und die
Musik berhrt mich. Und so kann ich mit
Gewissheit sagen:
Auch ich bin ein ,,Marillionr !
Liebe Leute, ein riesiges Dankeschn fr
Euer Vertrauen in uns. Fr die groartige
Atmosphre, die Ihr mitbringt und die noch
Wochen danach sprbar ist, auch wenn Ihr
schon lange wieder fort seid... Ihr knnt
Euch sicher sein, dass ich hoffe, dass wir
auch in Zukunft alle zwei Jahre ein ,,MWPZ
erleben knnen wir fnden das klasse!
Wir sehen uns 2017!!
54 made again
,,Diese Mnner
haben wirklich
Ahnung davon,
wie man ein Zelt
errichtet!


made again 55
Marja van Buren hat eine Art Gedicht geschrieben,
um ihre Eindrcke in Worte zu fassen:
Jaaaa, sie werden wiederkommen!!
Die Spannung steigt
zu Hause wird ganz viel Musik von Marillion gehrt
Ein Parkplatz muss gerumt werden...
Ein riesiges Zelt wird wieder aufgebaut
Immer ein bisschen mehr Marillion, immer nher
Die Freude wchst
Freude auf viel Geselligkeit, gute Atmosphre
Angenehme und liebenswerte Menschen
Alle positiv gestimmt und voller Ausgelassenheit, denn: Es ist wieder soweit
Ein ganzes Wochenende Genieen
Wir essen alle zusammen zu Abend, Einweisung, und dann: Auf Eure Pltze!
Ich fhle mich geehrt: Beim ersten Mal bekam ich den Platz
an der Behindertentribne zugeteilt
Und diesmal, zum fnften Mal und zehn Jahre nach meinem ersten Mal,
ist das immer noch mein Platz
Und: Ich liebe es!
Wenn Fans mich fragen, ob ich die Band kenne und ob ich sie mag
kann ich sie berraschen, indem ich ihnen sage: Ja, ich kenne sie,
und wisst Ihr was? Ich mag sie sogar sehr!!
Und so treffen wir uns wieder,
von Convention zu Convention
Einfach eine groe Familie
Gemeinsam erleben wir drei absolut berwltigende Tage...
Drei absolut groartige Marillionkonzerte,
was knnten wir uns mehr wnschen...
Geselligkeit, positive Schwingungen und wundervolle Musik
Das ist hchste Lebensfreude
Und ganz unvermittelt ist der letzte Abend da...
Viele Abschiede und ,,bis zum nchsten Mal...???
Am nchsten Tag mssen alle zurck nach Hause
In ihr normales Leben oder so was hnliches...
Vorfreude aufs nchste Mal
Dieses groe Zelt, in dem so viele wundervolle Erinnerungen geboren wurden
Wird wieder abgebaut, sehr schnell, alles zusammengerumt
Ein leerer Parkplatz... hat hier tatschlich etwas stattgefunden??
Fr mich sind die Tage hier in Port Zlande jetzt wieder normale Arbeitstage
Hre die Musik aber weiterhin sehr viel
Und verlngere so das vergangene Wochenende.
Schaue mir zu Hause die DVD vom letzten Mal an
Abenteuer, die sich ganz schn lange bei mir im Kopf halten!
Ich glhe noch lange Zeit nach
und halte mich dran, meinen Freunden zu erzhlen
Wie schn und besonders es ist
Teil eines Marillion-Convention-Wochenendes zu sein
Oh ja, ich fhle mich geehrt!
Ich hoffe bis zum nchsten Mal!
Wir danken Marloes und The
Web Holland fr die berset-
zung vom Niederlndischen ins
Englische und fr die Genehmi-
gung zum Abdruck.


56 made again
W O L V E R H A M P T O N
2 0 1 5
more
AND
les
s


made again 57
Es hat sich nicht viel gen-
dert seit meinem letzten
Besuch vor zwei Jahren:
Wolverhampton wartet
weiter darauf, schn zu
werden, einen deutschspra-
chigen Reisefhrer fr diese
Region gibt es immer noch
nicht, und die Bewohner
Rest-Englands sagen weiter-
hin ,,I m so sorry! , wenn
sie erzhlt bekommen, dass
da jemand (natrlich nicht
freiwillig) hinfhrt. Hhe-
punkt der liebevollen Um-
schreibung dieser Region
hier im britischen Original:
,,Birmingham (40 km ent-
fernt, Anm. d. Red.) is the
a**hole of England, and
Wolverhampton the a**hole
of Birmingham. Frage: Will
man da hin? Antwort: Man
will nicht man muss!
Zumindest dann, wenn Port
Zlande 2015 fr einen
Marillion-Fan noch nicht
genug war oder/und die
Convention 2013 hier an
gleicher Stelle mit enorm
vielen positiven Erinnerun-
gen behaftet ist.
AUFZEICHNUNGEN VON
SEVERIN ,,SEVI SCHNEIDER
UND
SIMONA KHNDEL
FOTOS
STEFAN SCHULZ


UnsereReisenach
Wolves ist minu-
tis geplant, wird
aber durch Unvor-
hergesehenes zum
Kraftakt. Mit null bis zwei Stun-
den Schlaf kommen Simona
und ich am spten Freitagvor-
mittag nach einer Odyssee in
Auto, Flugzeug und Bahn im
Hotel an. Einchecken, Mittag-
essen, Tickets abholen und
nachmittags verlorenen Schlaf
nachholen eigentlich. Doch
auch dieser Plan scheitert
mangels schallisolierter Zim-
mer grandios, denn ab 14 Uhr
kommen die Freaks mit gro-
em Hallo durch die Flure ge-
strmt und begren Fans aus
aller Welt, die sich fr dasselbe
Hotel entschieden haben. Wie
schon beim letzten Mal ist das
,,The Moon Under Water der
Treffpunkt fr viele Anoraks.
Auf dem Weg dorthin ist es
schn zu beobachten, wie
mehr und mehr mit Marillion-
Devotionalien bekleidete Men-
schen das marode Stadtbild
verschnern.
Wir hatten uns im Vorfeld
darauf geeinigt, die Konzerte in
Ruhe vom Balkon aus anzuse-
hen. Um gute Pltze zu ergat-
tern, sind wir dann auch (fr
unsere Verhltnisse) frh zur
Venue gegangen. Am Eingang
dann erst mal Ungewhnli-
ches: Die Security sammelt
professionelles Fotoequipment
ein (also alles ab Spiegelreflex-
kamera aufwrts). Das war
neu, aber nicht dramatisch
die Civic Hall ist gut aufgestellt
mit einem verschliebaren
Schrank und Nummern wie bei
der Jackenabgabe. Irgendwie
mssen Lucy und Stephanie
aber Wind davon bekommen
haben, denn letztere ist kurze
Zeit spter durch die Reihen
der ganzen Halle gegangen
und hat erklrt, dass man die
Kameras wieder abholen kann.
Da wird es wohl ein Missver-
stndnis mit den Verantwortli-
chen gegeben haben.
Auch in England wird der
erste Abend von der Steve
Rothery Band erffnet. Obwohl
sich der Meister sichtlich im-
mer noch nicht hundertprozen-
tig von seiner aus Holland im-
portierten Erkltung erholt hat,
wird auf der Bhne stellen-
weise richtig gerockt. Wir se-
hen Gitarrenduelle und mitklat-
schendes Publikum. Wie schon
in PZ ein wunderbarer Einstieg
in den Marillion-Kosmos.
Dann ist es (wieder) soweit.
Between You And Me erffnet
das Anoraknophobia-Album.
Die Stimmung ist gigantisch
und angenehm locker. Und die
Leute vor der Bhne haben
sich auch wieder was einfallen
lassen: Bei Map Of The World
werden beim Refrain zig Fhn-
chen verschiedener Nationen
geschwenkt. Ein sehr schner
Einfall und ein richtig harmoni-
scher Moment. Es fllt auf,
dass h sich zwischen ein paar
Songs sehr viel Zeit zum Erzh-
len nimmt. Als mit This Strange
Engine und Gaza der Abend
endet, hat man es trotz quanti-
tativ gleicher Spielzeit wie in
Holland geschafft, 3 Minute
58 made again


Boy aus der Setlist zu kicken.
Das wirkte etwas abrupt, lie
aber keine hngenden Kpfe
zurck im Gegenteil. Es war
der erwartete Einstieg mit der
Vorfreude auf mehr. Wie gut
das Publikum drauf ist, zeigt
sich, als Queens Dont Stop
Me Now vom Band kommt. Da
wird richtig schn Party ge-
macht. Die blichen Verdchti-
gen treffen sich spter im Pub
und tauschen erste Eindrcke
aus. Ja, es war hnlich wie in
Holland und, nein, war es
dann doch nicht. Unsere Wahr-
nehmung tendiert nmlich ein-
deutig in die Richtung, etwas
Einzigartiges mitzuerleben und
keine ,,Convention 2015 2.0 .
Wie sehr wir recht behalten
sollten, wussten wir zu diesem
Zeitpunkt allerdings noch
nicht.
Der Samstagnachmittag
steht ganz im Zeichen von
Stillmarillion. Martin Jakubski
und seine Mitstreiter spielen in
den Slade Rooms vor ca. 500
Leuten. Der kleine Club ist rest-
los ausverkauft und die Setlist
zum Niederknien:
Slainte Mhath
Freaks
Assassing with Mark Kelly
He Knows You Know
with Mark Kelly
Cinderella Search
Chelsea Monday
Incubus
Script For A Jester s Tear
Lady Nina
Misplaced Childhood
(das komplette Album)
Fugazi
Incommunicado
-------------------------------
Garden Party
Market Square Heroes
Mark hat sichtlich Spa in
seiner Gastrolle, denn er singt
die zwei Songs, die er beglei-
tet, fr sich mit. Sowas sieht
man eher selten. Als Misplaced
Childhood durch ist, bin ich
dann doch gerhrt. Das noch
mal mit adquatem Gesang an
einem Stck live zu hren, ist
schon groartig. Insgesamt
kommen wir auf 150 Minuten
Party, bei der alle Aktiven vor
und auf der Bhne voll auf ihre
Kosten gekommen sind. Dass
dann auch noch Stephanie ne-
ben einem steht und genauso
mitrockt wie alle anderen,
spricht ja zustzlich fr die
Qualitt der Jungs.
Nach kurzer Strkung im
Pub gehts auf zum Marbles-
Abend. Wir ergattern Sitzpltze
auf dem Balkon direkt gegen-
ber der Bhne und sichern
uns damit beste Voraussetzun-
gen fr Bevorstehendes.
Ginger Tom passen zwar musi-
kalisch berhaupt nicht ins
Bild, aber ihr Power-Pop macht
richtig Laune. Mit oft zweistim-
migem Gesang, akustischer
und elektrischer Gitarre plus
Bass und Drums und einer ab-
solut sympathischen Ausstrah-
lung wei der junge Vierer die
Eltern seines eigentlichen Ziel-
publikums mit talentiertem
Songwriting und einer selbst-
bewussten Performance zu
berzeugen und erntet zu
Recht Applaus.
made again 59


Und dann gehen die Lichter
wieder aus und wir genieen
erneut dieses sagenhafte Intro
von Invisible Man. Die Bhnen-
show ist im Vergleich zu PZ
deutlich abgespeckt. Fr die vi-
suelle Umsetzung gibt es ,,nur
die groe normale Leinwand
hinter der Band, und durch die
Beamerprojektion von vorne
werfen Ian und Mark Schatten
darauf. Auerdem wurde die
Laseranzahl auf zwei reduziert
und auf Rauchfontnen kom-
plett verzichtet. Nichtsdesto-
trotz baut sich eine spannende
und intensive Atmosphre auf,
die auch in Holland schon
greifbar war, und entldt sich
zum ersten Mal beim Publikum
nach dem Opener. Das hat ge-
sessen! Was fr eine Euphorie!
Was fr ein Jubel! Hochkonzen-
triert spielt die Combo im Mur-
melkosmos weiter. Und sptes-
tens nach Ocean Cloud, das
zusammen mit der animierten
Bootsfahrt bei bedrohlichen
Witterungsverhltnissen eine
unheimliche Spannung er-
zeugt, brechen im wahrsten
Sinne des Wortes alle Dmme.
Fnf(!) Minuten durchgehen-
der, tobender Applaus, Stan-
ding Ovations vom Balkon.
Marillion hat keine Chance, da-
gegen etwas zu unternehmen.
Pete schttelt zwischendurch
den Kopf. Schier berwltigt
nimmt die Band den Applaus
an.
Sptestens ab diesem Zeit-
punkt passiert etwas, fr das
es in Holland aufgrund der
Ambitionen fr eine perfekte
Show vielleicht keinen Platz
gegeben hat: Die Knstler
finden ihren Spa und ihre
Lockerheit wieder. Keine Spur
mehr von Anspannung, die
Stimmung auf der Bhne wirkt
gelst. Ich mchte jetzt nicht
so weit gehen und von Ver-
stopfung, Darmsplung und
erleichterten Gesichtsausdr-
cken beim nchsten Stuhlgang
reden, aber der Befreiungs-
schlag, sich nicht mehr der rei-
nen Perfektion unterzuordnen,
sondern der Musik und der
Performance, war deutlich
sprbar. Da macht mir sogar
The Damage wieder Freude.
Dont Hurt Yourself widmet die
Band sich selber, wahrschein-
lich in Anlehnung an die
Probleme, die zum gleichen
Zeitpunkt whrend der Hol-
land-Show fr interne Missver-
stndnisse gesorgt hatten.
Vergleicht man den Abend mit
einem Fuballspiel, dann hat
Marillion sich durch eine kon-
zentrierte Leistung in der ers-
ten Halbzeit einen komfortab-
len Vorsprung erarbeitet, in der
Zweiten locker aufgespielt und
eine Galavorstellung abgelie-
fert, bei der alles geklappt hat
und die mit Neverland natr-
lich ihren Hhepunkt findet.
Und wieder stehen die Leute
von ihren Sitzen auf, wieder
wird auf Teufel komm raus ge-
jubelt. Aus! Aus! Marbles ist
aus! Marillion ist Weltmeister
und luft drei Ehrenrunden.
Wer geglaubt hat, sich vorher
emotional verausgabt zu ha-
60 made again


ben, wird mit Out Of This World
und King inklusive deren opti-
scher Umsetzung eines Besse-
ren belehrt. Ein Trnchen hier
und ein bisschen Gnsehaut
da sind allemal noch drin. Mit
Sounds... holt man uns aus
der morbiden Welt der beiden
ersten Zugaben zurck und
beendet den Abend feierlich.
Nachdem wir uns in der
Halle nochmals Rockklassiker
vom Band um die Ohren ge-
hauen haben und erneut fest-
stellen mussten, wozu Men-
schen ab unserem Alter noch
fhig sind, wenn man sie denn
bei guter Musik auch lsst,
dient wieder der Pub dazu, un-
sere Sinne zu sortieren. Nein,
das war trotz gleicher Setlist
definitiv anders als im Land der
Tulpen. Nicht besser, nicht
schlechter, eben anders. Und
einzigartig! Aber das erwhnte
ich bereits.
Sonntagmorgen gnnen wir
uns einen kleinen Ausflug
ins Grne. Mitten im Nirgend-
wo entdecken wir auf einer
Fensterbank eine Murmel, aber
nicht irgendeine, sondern
DIE Murmel, also die ,,Holy
Marble . Unser schlichtes Ge-
mt macht sich einen Riesen-
spa daraus, von da an stndig
dieser kleinen Kugel zu huldi-
gen, wenn einem egal was
auch immer widerfhrt. Es gibt
einfach Zeichen, die kann man
nicht ignorieren. Bevor das
Ganze aber dann komplett
Monty Pythonsche Zge an-
nimmt, schauen wir uns den
made again 61


Directors Cut der Clocks...-
DVD im Kino an. Rothers und
Pete finden ein paar nette
Worte, bevor es losgeht. Leider
ist das Kino nicht das mo-
dernste, so dass man bei Bild
und Ton Abstriche machen
muss. Trotzdem war es eine
nette Idee, auch wenn ob unse-
res Schlafmangels zwischen-
durch doch extremes Augen-
karate angesagt war.
Noch schnell einen Burger
vernichtet und schon wieder ab
in die Schlange. Wir unterhal-
ten uns mit einem Prchen, das
aus Amerika angereist ist und
noch ein paar weitere Tage in
Wolves verbringt. ,,Im so
sorry! sagt ein Englnder vor
uns und schaut die beiden mit-
leidig an. Da war sie also
wieder, die ehrliche englische
Anteilnahme bezglich Wolver-
hampton. Whrend wir uns
kstlich amsieren, schauen
die zwei doch etwas verdutzt.
Synaesthesia ist heute die
Vorband. Im Vorfeld hochge-
lobt, gibt mir diese Band gar
nichts. Durchaus talentiert und
ambitioniert wird die Musik
aber mit zunehmender Spiel-
dauer immer belangloser. Ne
fette Hookline zwischendurch
htte dem Ganzen gut getan.
Auch Outfit und Stageacting
des Sngers/Keyboarders
waren nicht meins und sowas
juckt mich sonst nicht, aber es
gab durchaus Leute, denen das
gefiel, also am besten selber
antesten.
Was in Holland noch eine
groe berraschung, war in
der Civic Hall den meisten be-
kannt. Aber Anspannung und
Vorfreude waren greifbar und
die Entladung zu Beginn von
Market Square Heroes ge-
nauso euphorisch wie drei Wo-
chen zuvor. Der ,,Fish-Block
macht einfach Spa. ,,Some of
his lyrics were killers. Like this
one. sinniert h ber seinen
Vorgnger vor Warm Wet
Circles. Das muss man nicht
mehr kommentieren. Der
,,Singles -Abend verluft erst
mal hnlich, bis 80 Days ge-
spielt wird. Man Of a 1000
Faces wurde weggelassen.
Aber egal, die Band hat ihre am
Vortag wiedererlangte Locker-
heit nicht verloren im Gegen-
teil, es wird gescherzt, gelacht
und gute Laune verbreitet.
Power beendet die regulre
Setlist, und alle in der Halle
sind im (Ab-)Feiermodus. Erste
Zugabe ist Easter, in Holland
gar nicht gespielt. Natrlich
bernimmt das Publikum
dankbar den Gesang. h hat
Trnen in den Augen und muss
erst mal vom Mikro weg, um
sich zu fangen. Man Of a 1000
Faces beendet dann den ersten
Zugabenteil.
Wer jetzt Hocus Pocus er-
wartet, hat die Rechnung ohne
3 Minute Boy gemacht und
hier wird einmal mehr ein Un-
terschied zu PZ deutlich: Die
Band, vielmehr h, versemmelt
diese Nummer grandios. Wollte
man in Holland Patzer ver-
meiden, gehen die Jungs hier
locker und lustig damit um,
weil der Druck der perfekten
Performance nicht da ist. Nach-
dem die Fans nach der ersten
Strophe das ,,Laaa Lalala into-
niert hatten, spielt der Snger
62 made again


ja gerne noch ein bisschen mit
den hohen Tnen an seinem
Keyboard, bevor die anderen
vier einsetzen. Ian denkt sich
heute: Das kann ich auch. Ein
kleiner Schlag auf ein Becken
seines Drumkits bringt unse-
ren kleinen Brllwrfel derma-
en aus dem Konzept, dass er
mehrere Anlufe braucht, um
wieder in den Song reinzu-
kommen. Ein paar Mal wird
unter- bzw. abgebrochen, sei
es durch Lachanflle oder
akuten Gedchtnisverlust be-
zglich der Lyrics. Rothers
muss sich zwischenzeitlich die
Trnen aus den Augen wischen
wie wir auch.
Zum Finale kommen auch
hier wieder die Ballons ins
Spiel. Allerdings gnnt die
Crowd sich den Spa, immer
mehr davon Richtung Bhne zu
transportieren. Mark Kelly dul-
det diese optische Konkurrenz
nicht und fngt an, mit Armen
und Beinen die Stage zu su-
bern. Klappt nicht. Flugs be-
sorgt sich der Mann einen
Cutter und schon beginnt das
Massaker. Innerhalb krzester
Zeit ist der Luftballonbestand
in der Halle auf ein berschau-
bares Minimum reduziert wor-
den und steht seitdem auf der
Liste der gefhrdeten Spiel-
zeugarten. Nach einem gran-
diosen Finale verabschiedet
sich das Quintett endgltig un-
ter tosendem Jubel. Ein zweites
Fanclub-Wochenende 2015 ist
vorbei, und wie schon zwei
Jahre zuvor lassen die Leute
noch mal richtig die Sau raus,
als das Licht angeht. Umar-
men, tanzen, headbangen, Ru-
delbildung, Konfettiweitwurf
und, und, und...
Durch Dauergrinsen hat
unser Gesichtsausdruck eine
leicht grenzdebile Note bekom-
men, aber was soll s? Doof und
glcklich ist kein schlechter
Gemtszustand und reicht zu-
dem noch fr eine letzte Runde
im Pub. Hinter uns liegen zwei
inhaltlich fast identische, aber
auf unterschiedliche Weise ein-
zigartige (ich brauche unbe-
dingt ein Synonym fr einzigar-
tig...) Conventions. Und wenn
die ,,Holy Marble uns wohl ge-
sonnen ist, werden wir auch
2017 die Insel besuchen, denn
neben Port Zlande ist auch
das inzwischen eine Pflichtver-
anstaltung.
Kurz vor der Heimreise er-
tappt man sich dabei, dass
man am Flughafen steht, auf
seinen Rckflug nach Deutsch-
land wartet und sich berlegt:
Theoretisch knnte man sich
das mit Montral ja auch noch
mal berlegen... Aber auch in
diesem Jahr haben Geldbeutel
und Vernunft gesiegt und letzt-
endlich sind wir sehr dankbar
fr das Erlebte mal sehen,
wie es 2017 ausgeht.
Abschlieend sollten noch
zwei Dinge erwhnt werden,
die mir zustzlich positiv auf-
gefallen sind: Zum einen der
deutlich reduzierte Gebrauch
von Smartphones whrend der
Shows. Natrlich gab es trotz-
dem Leute, die sich die Kon-
zerte fast komplett durch ihr
kleines Display angeschaut
haben, und wer in der zweiten
Reihe mit einem Tablet rum-
hantiert, gehrt rausgeschmis-
sen aber der Bitte von Mark
Kelly, der vor dem Freitagevent
im Namen der Band um gegen-
seitige Rcksicht zu Gunsten
der Show gebeten hat, wurde
im Groen und Ganzen ent-
sprochen. Lautstarke, strende
Unterhaltungen haben wir auf
der Empore an allen drei Tagen
ebenfalls nicht mitbekommen.
Das war sehr angenehm.
Zum anderen war die Secu-
rity in der Civic Hall wie schon
beim letzten Mal total freund-
lich (Ausnahmen besttigen
vielleicht die Regel). Auch das
ist nicht berall so. Wann ver-
abschiedet man sich schon
mal per Handschlag von den
Wchtern?
made again 63
l


Einige denken zwar,
Marillions Co-Manage-
rin Lucy Jordache ver-
bringt ihre Zeit damit,
Selfies auf Facebook
zu posten, hngt mit
der Band rum, htet
widerspenstige Katzen
und zwingt ungern
groe Pandabren,
sich zu paaren.
Aber der unerschro-
ckene Interviewer
Andy Rotherham von
The Web UK wagte
dennoch zu fragen:
Lucy, was tust Du
wirklich?
64 made again
D I E K U N S T D E S M A N A G E M E N T S


made again 65


Marillionwaren,
wie wir wissen,
in der Nutzung
des Internets
fhrend. So-
ziale Medien scheinen jetzt an
die Spitze gerckt zu sein, und
Du bist die Hauptperson dafr.
Wie luft das ab? Wie profitiert
die Band davon und wie fgt
sich das in Deinen Arbeitstag
ein?
Lucy: Soziale Medien sind wirk-
lich wichtig fr die Band, weil es
eine schnelle und sehr einfache
Art und Weise ist, mit Leuten zu
kommunizieren. Facebook kann
etwas mhsam sein, weil etwa
250.000 Leute ,,Gefllt mir auf
unserer Facebook-Seite ge-
drckt haben. Aber nur weil ich
etwas poste, bedeutet das
nicht, dass 250.000 Leute das
auch lesen. Facebook verwen-
det komplizierte Algorithmen,
lsst mehr Leute Dein Posting
sehen, wenn viele Leute ,,Ge-
fllt mir oder ,,Teilen klicken.
Wenn Du mchtest, dass jeder
es liest, dann musst Du dafr
bezahlen. Mir ist schon klar,
dass Facebook ein Geschft ist
und die irgendwie ihr Geld ma-
chen mssen und habe somit
nichts dagegen, zu zahlen. Aber
wie viel man zahlen soll, ist
nicht angemessen. Wenn man
40 oder 50 pro Beitrag zah-
len msste, dann wrde ich
auch fr jedes einzelne Post
zahlen. Aber es kommt auf
300-400 pro Post heraus.
Manchmal wollen wir eine
Nachricht pushen, aber nur
wenn es sich um wirklich Wich-
tiges handelt. Wir versuchen
dann so viel Information wie
mglich reinzubringen, so dass
sich die 400 auch lohnen. Wir
sagen dann z. B. nicht einfach
nur ,,Oh, wir spielen einen Gig
in London . Wir wrden den
Leuten sagen, dass wir in Lon-
don, Manchester und sonstwo
spielen, so dass es mehr Leute
lesen wrden. Ich habe also
somit meine Problemchen mit
den Sozialen Medien.
Es gibt im Internet auch
einige sehr angsteinflende
Leute. Aber es ist sehr wichtig
und gut fr die Fans, dass sie
die Mglichkeit haben, auf die
Dinge, die wir sagen und tun,
reagieren zu knnen. Manchmal
stellen wir eine Frage, die uns
wirklich bei der Planung eines
Gigs oder bei einem Merchan-
dise-Artikel helfen kann, weil
die Leute uns darauf dann ant-
worten. Wenn ich von Social
Media rede, dann schliee ich
das Marillion-Forum mit ein. Wir
versuchen, Twitter, YouTube,
Facebook und unser Marillion-
Online-Forum zu benutzen.
Wir senden auch immer noch
e-Webs an unsere Mailing-Liste,
aber hier erfolgen die Antwor-
ten nicht genauso schnell. Wir
versenden auch nicht gern zu
viele Nachrichten, denn die
Leute sind sehr eigen wenn es
um E-Mails geht und mchten
nicht zu viele erhalten. Somit
verschicken wir etwa alle 2 Wo-
chen eine E-Mail.
Seid Ihr in der Lage, das Feed-
back, das Ihr verwenden wollt,
aus dem Feedback einer laut-
starken Minderheit herauszu-
filtern?
Wie meinst Du das?
Ich denke, dass einige Leute
sich bemerkbarer machen als
andere und Euch ihre Meinung
zu allem geben.
Ah, verstehe.
Und es nicht mgen, wenn
jemand anderer Meinung ist.
Ich mache diesen Job nun schon
so lange. Ich arbeite seit fast 15
Jahren fr Marillion und habe
gelernt, dass es einige Leute
gibt, die gern die Pferde scheu
machen, und ich ignoriere sie
einfach. Und dann gibt es
Leute, die nie ein schlechtes
Wort ber Marillion sagen, so
dass wenn die das dann tun,
ich aufmerksam werde und es
zur Kenntnis nehme. Man lernt,
wer einem gerne nach dem
Mund redet. Ich denke, dass auf
meiner eigenen ,,Lucy Jordache
Marillion -Seite die Leute recht
ehrlich mit mir sind, weil sie
wissen, dass ich absichtlich
kein Bandmitglied als Freund
auf meiner Seite habe. Ich
wollte, dass es ein Ort ist, an
dem die Leute ehrlich zu mir
sein knnen. Manchmal hat
man das Gefhl, dass wenn sie
wssten, dass Steve Rothery es
zum Beispiel lesen knnte, sie
nicht so offen ihre Meinung
kundtun wrden.
Um Dich jetzt mal in Zugzwang
zu bringen: Kannst Du uns ein
Beispiel fr etwas geben, das
Du mal aufgrund einer ue-
rung auf Social Media gen-
dert hast, sei es ein Produkt
oder eine Manahme?
Setlists. Ich wusste, dass ich
gern Trap The Spark hren
wollte und dass h es spielen
wollte, aber der Rest der Band
zgerte. Aber ich war in der
Lage aufgrund dessen, was ich
in den Sozialen Medien gelesen
hatte, darauf hinzuweisen, dass
Trap The Spark ein Song war,
den viele Fans gern hren woll-
ten. Und somit habe ich ihn
dann vorgeschlagen. Wir sind
oft zusammen unten im Studio
und reden, und einer aus der
Band sagt so etwas wie: ,,Nun,
ich glaube die Fans wollen dies
66 made again


und das... Ich renne dann wie-
der hoch in mein Bro und
stelle die Frage in den Sozialen
Medien und habe garantiert in-
nerhalb einer halben Stunde
etwa 200 Antworten. Dann
gehe ich wieder runter und
kann sagen: ,,Also, von diesen
200 Fans mgen soundsoviele
das und das . So arbeiten wir.
Leute machen auch Vorschlge
und ich hole dann Informatio-
nen ein und schaue ob es
machbar ist. Egal ob ich das
gleich mache oder erst 2 Jahre
spter was ich in den Sozialen
Medien lese, setzt sich in mei-
nem Kopf fest.
Reden wir ber
,,Lucy s Friday Questions .
Ich betreibe eine Facebook-
Seite namens ,,Lucy s Friday
Questions , um die ich mich
jeden Freitag kmmere. Die
Leute stellen mir immer Fragen,
und darum habe ich diese Face-
book-Gruppe gegrndet. Jeden
Freitag nehme ich Fragen entge-
gen. Ich denke, es sind jetzt um
die tausend Mitglieder, was toll
ist.
Die Leute stellen simple
Fragen wie wann es eine
bestimmte Show zum Down-
loaden gibt bis hin zu ,,Habt
Ihr schon Plne fr ein neues
Album? Ich bin da sehr ehrlich.
Ich erzhle nicht jedem alles,
weil wir manchmal ein paar
Dinge gern eine Weile geheim
halten. Aber ich versuche die
Fragen der Leute zu beantwor-
ten. Natrlich nur wenn ich die
Antwort wei! Manche Leute
fragen Sachen wie: ,,Was ist
Steve Hogarths Lieblingslied?
Keine Ahnung; darum geht es
bei den Friday Questions nicht
wirklich.
Mit solch einer groen Online-
und Social-Media-Prsenz,
wie viel Zeit Deines Tages
kostet Dich das und lenkt es
Dich von all den anderen
Aufgaben ab?
Ich knnte nicht beziffern, wie
viel Zeit das tatschlich kostet.
Facebook ist eines der Fenster
in meinem Computer, das im-
mer offen ist. Um ehrlich zu
sein, ich gehe da immer mal
wieder rein, um mich abzulen-
ken, wenn ich an einem kompli-
zierten Spreadsheet arbeite
oder etwas, bei dem mir der
Schdel brummt. Ich gehe dann
fr eine halbe Stunde auf Face-
book, um mein Hirn etwas zu
entwirren. Gerade so, dass es
mich nicht wirklich ablenkt und
nicht lange dauert. Es ist ein
kleiner, aber wichtiger Teil mei-
nes Jobs.
Kannst Du bemessen, wie viel
Gutes es der Band getan hat,
eine solche Online-Prsenz zu
haben?
Ich wei nicht, was die Antwort
darauf ist. In meinem Job gibt
es viele Dinge, die man nicht in
Zahlen ausdrcken kann. Wenn
wir beispielsweise auf Tour ge-
hen und wir Anzeigen schalten,
dann kannst Du nicht sagen,
dass es die Anzeigen waren, die
den Ticketverkauf angekurbelt
haben oder ob die Leute zu dem
Zeitpunkt mehr Geld zur Verf-
gung hatten. Vielleicht hatten
sie deshalb Tickets gekauft,
aber nicht bei der letzten Tour.
Vielleicht haben sich ihre per-
snlichen Umstnde gendert.
Vielleicht hat ihnen auch das
jetzige Album besser gefallen
als das vorherige. Wir versu-
chen von jedem ein bisschen zu
nehmen und es nach drauen
zu bringen.
made again 67


Wir machen solche Sachen
wie die kostenlose Crash
Course CD. So hatten wir zum
Beispiel nach dem Festival in
Quebec in diesem Sommer
(Anm. d. Redaktion: 2014) etwa
50 Leute, die auf die Webseite
gegangen sind und nach der
kostenlosen CD gefragt haben,
die aus Kanada waren. Man
kann davon ausgehen, dass
dies aufgrund des Festivals in
Quebec war. Ich kann dann in
etwa 6 Monaten nachschauen
und sehen, ob die nach der kos-
tenlosen CD irgendwas gekauft
haben. Das sind die Dinge, die
man quantifizieren kann. Wenn
ich etwas allein auf Facebook
poste, so wie Tickets zum Ver-
kauf anbieten, dann kann ich
natrlich gleich sehen, dass wir
in der Lage waren, jede Menge
Tickets zu verkaufen. Aber
wenn wir eine Menge verschie-
dene Dinge gleichzeitig ma-
chen, dann kann ich nicht sa-
gen, was welche Manahme
bewirkt hat.
Du hast also all diese Social
Media-Sachen am laufen, aber
das ist ja nur ein kleiner Teil
Deiner Arbeit. Abgesehen da-
von habe ich gehrt, dass Dein
Job wie einen Sack Flhe hten ist.
Einen Sack Flhe hten oder
versuchen, Riesenpandas dazu
zu bringen, sich paaren. Es gibt
5 Bandmitglieder und dann
noch 3 Vollzeit-Mitarbeiter und
Stephanie, die Teilzeit arbeitet.
Jeder muss sich um seine ei-
gene Arbeit kmmern. Aber ich
bin fr alle zustndig. Da gibt
es also Rich, Simon und
Stephanie, die alle an dem ar-
beiten, was sie machen sollen,
aber ich muss sicherstellen,
dass ich wei, was sie tun, so
dass ich Rat geben oder aushel-
fen kann.
Als Du anfingst, hatte man sich
auf Dich als Managerin fr
Medien und Kommunikation
bezogen. Findet dieser Termi-
nus noch Anwendung oder hat
der sich erweitert?
Nein. Mein offizieller Titel der
letzten 4-5 Jahre ist ,,Co-Mana-
gerin . Der Grund dafr, dass
ich ,,Co-Managerin bin ist,
dass die anderen Co-Manager
die 5 Bandmitglieder von Maril-
lion sind. Das heit, dass wir
Entscheidungen gemeinsam
treffen. Bei wichtigen Entschei-
dungen mache ich erst meine
Recherche, flle die Rechen-
tabellen aus und berechne die
Budgets und so weiter. Dann
prsentiere ich das der Band
und erklre ihnen, was meine
Empfehlung ist, was wir tun
sollten. Dann sagen sie ,,Ja
oder ,,Nein . In 9 von 10 Fllen
sagen sie zum Glck ,,Ja . ber
den einen der 10 Flle streiten
wir uns dann eine Weile. Einer
aus der Band knnte zum Bei-
spiel anderer Meinung sein;
somit ziehe ich dann los und
schaue mir das an. Als die Band
mich von EMI weglockte, taten
sie das mit genau diesen Wor-
ten: ,, Wir wollen, dass Du fr
uns arbeitest. Wir wissen nicht,
wofr genau wir Dich brauchen
werden, aber wir wollen, dass
Du fr uns arbeitest. Presse-
arbeit und so . Das klingt heut-
68 made again


zutage lcherlich, aber damals
dachte ich: ,,Also gut. Warum
nicht? Innerhalb der ersten 6
Monate sagten sie mir, dass sie
ihren Agenten und ihren Promo-
ter gefeuert htten und baten
mich, fr sie Gigs zu buchen.
Ich fragte: ,,Und wie genau ma-
che ich das? Und sie sagten
einfach: ,,Du hast eine schnelle
Auffassungsgabe. Du lernst das
schon . Und so war es dann
auch. Ich rief ein paar Leute an,
die ich kannte, und fragte wie
das geht. Mein Job bestand
somit darin, bestndig zu
wachsen.
Ich habe viele Dinge im
Laufe der Jahre gelernt. Ich
co-manage jetzt also Marillion,
bin aber auch auch ihr Agent
und Promoter. In einigen ande-
ren Lndern auf der Welt heure
ich rtliche Promoter an: in Hol-
land, Frankreich und Deutsch-
land. In Sdamerika und Nord-
amerika haben wir einen
eigenen Agenten. Wenn sie
aber eine Tour planen, dann
landet alles bei mir. Ich befasse
mich damit, schaue mir die Fi-
nanzen an und erstelle eine Kal-
kulation. Sobald ich damit zu-
frieden bin, lege ich sie der
Band vor. Mein Job ist also weit-
aus mehr als das, was ein nor-
maler Manager macht. Ich habe
ein gutes Zitat bezglich der
Aufgabe eines Managers: ,,Ein
Manager leitet Deine Karriere
durch Beratung, indem er eine
Richtung vorgibt und sich um
die geschftlichen Dinge km-
mert. Das ist also alles, was
von Managern erwartet wird
(lacht). Du siehst, dass ich viel
mehr mache. Ich arbeite an vie-
len Excel-Tabellen und erstelle
Budgets, da wir dafr sorgen
mssen, dass Geld reinkommt,
da wir die Gehlter von allen
bezahlen mssen, ob das jetzt
durch neues Merchandising ist
oder durch das Spielen von
Konzerten.
Wenn man uns ein Konzert
anbietet, dann erstelle ich eine
Tabelle und rechne Gewinn und
Verlust bei dem Konzert aus.
Und um ehrlich zu sein, wenn
wir nicht Gefahr laufen, Geld
dabei zu verlieren, dann ma-
chen wir es in der Regel. Jedes
Konzert lohnt sich. Die Leute
fragen uns zum Beispiel, warum
wir die Kreuzfahrt gemacht ha-
ben. Es gab einiges diesbezg-
lich in den sozialen Medien.
,,Warum macht Ihr das? Ihr habt
Euch verraten.
Nun, es gab drei Grnde.
Der erste Grund war, dass das
Geld stimmte. Das Geld war
aber nicht der einzige Grund, es
zu machen. Glaub mir, man hat
uns verdammt viel mehr Geld
fr einige Dinge geboten, die
wir abgelehnt haben. Es war
auch die Tatsache, dass es fr
die Band eine Erfahrung war,
die keiner von ihnen zuvor ge-
macht hatte. Und sie wollten
eine neue Erfahrung, und wa-
rum auch nicht? Der dritte
Grund war, dass es gem un-
seren Standards gemacht
wurde; sie besorgten die PA,
die wir wollten, das Mischpult,
das wir wollten, und so hatten
wir das Gefhl, die Kontrolle zu
haben. Deshalb verstehe ich
nicht, warum einige Leute dach-
ten, wir htten uns verraten.
made again 69


Welches Feedback gab es, und
was fr Leute wurden durch die
Kreuzfahrt angezogen?
Eine ganze Anzahl von in Ame-
rika lebenden Leuten fragte
nach der Crash Course CD. Das
war direkt nach Cruise to the
Edge . Deshalb kann man nur
annehmen, dass sie auf der
Kreuzfahrt waren. Auf der Face-
book-Seite von Cruise to the
Edge gab es viele Kommentare
wie: ,,Wow! Ich hatte Marillion
niemals zuvor gesehen. Sie ha-
ben mich umgehauen! Das war
also wirklich gut. Selbst wenn
nur ein paar Leute unsere Alben
kaufen, hat uns das geschadet?
Nein! Die Band hatte eine neue
Erfahrung. Was gibt es daran
auszusetzen?
Die andere Sache, die Maril-
lion in jngster Vergangenheit
gemacht haben, ist mit ande-
ren Bands zusammen zu arbei-
ten. Ich denke da an den
Support bei Deep Purple oder
die Co-Headliner-Tour mit
Saga, die Kreuzfahrt und an-
dere Festivals. Jetzt wo das
ganze Prog-Genre wieder gro
im Kommen ist, siehst Du da
andere Zusammenarbeiten als
einen Weg fr die Zukunft?
Wir haben damals im Jahr 2001
eine Presseerklrung zu Anorak-
nophobia gemacht, die von den
Fans so aufgefasst wurde, dass
wir leicht negativ gegenber
70 made again


Progressive Rock eingestellt
wren. Sie scheinen uns das
seither immer angehngt zu ha-
ben. Sie haben die Vorstellung,
dass Marillion Prog Rock has-
sen. Das haben wir nie gesagt!
Was wir sagen wollten war,
dass Marillion mehr als nur Pro-
gressive Rock sind, wozu ich
immer noch stehe. Wenn sich
eine Mglichkeit wie mit Deep
Purple oder Saga bietet, dann
werden wir nicht ,,Nein sagen.
Wir haben bei den Prog Awards
die Kategorie beste Band ge-
wonnen. Wir lieben Prog-Maga-
zine. Wenn uns die Leute in
diese Schublade stecken wol-
len, als einfach nur Prog, dann
ist das OK. Wir wissen, dass wir
mehr als nur Prog sind. Wir
haben nichts gegen Prog, wir
lieben es.
Wir sind aber genauso auch
Teil von vielen anderen Genres.
Ich denke immer, dass Marillion
Teil ihres eigenen Genres sein
sollten. Ich mag alle Arten von
Musik. Ich mag nicht nur Prog.
Ich mag Rock. Ich mag Pop. Ein
guter Song ist ein guter Song.
Wenn sich uns also eine Mg-
lichkeit bietet, dann werden wir
sie uns anschauen. Wenn es
funktioniert, dann machen wir
es. Die Deep Purple-Tour hatte
wirklich groen Spa gemacht.
Wiederum schwer zu quantifi-
zieren, ob wir unmittelbar da-
von profitiert haben, aber es
geht auch darum, den Namen
Marillion weiter in der ffent-
lichkeit zu halten.
Steht irgendetwas in der Art
an, wovon Du uns erzhlen
kannst?
Nein da gibt es nichts. Der Plan
fr die nchsten zwei Jahre ist
folgender: (Anm: Das Interview
wurde im Herbst 2014 gefhrt.)
Wir schreiben den Rest des Jah-
res am neuen Album, machen
die Christmas-Tour, kommen
dann nach Weihnachten wieder
zusammen, und die Band
jammt morgens und probt dann
nachmittags fr die Marillion
Weekends. Dann direkt danach
im Mai, Juni und Juli steht
Schreiben an. Hoffentlich begin-
nen sie sogar mit Aufnahmen.
Sie gehen wahrscheinlich im
Sommer zweimal fr konzen-
trierte Schreib-Sessions zu den
Real World Studios runter.
Irgendwann nach dem nchsten
Sommer werden wir die Details
einer ganz besonderen Vor-
bestellkampagne verknden.
Ich kann Euch im Moment
keine Details nennen, aber es
wird etwas ganz Besonderes
sein. Es wird grer, besser
und noch sagenhafter als alles,
was wir in der Vergangenheit
gemacht haben. Die Fans wer-
den das Gefhl haben, ein Teil
davon zu sein. Sie werden ein
Teil des Prozesses sein. Wir hof-
fen, dass sie davon so begeis-
tert sein werden wie wir es sind.
Dann im September oder Ok-
tober herum wird die Band hof-
fentlich schreiben. Der Rest von
2015 wird also damit verbracht,
das Album fertig zu stellen. Wir
hoffen, Anfang 2016 ein fertiges
Album zu haben. Wir werden
tatschlich Zeit haben, es rich-
tig zusammenzustellen und zu
vermarkten. Bei den letzten
Alben lief alles mit solcher Eile
ab, weil sie die Fertigstellungs-
frist berschritten hatten.
Dieses Mal htte ich es
gerne, dass das Album Anfang
2016 geliefert wird, damit wir es
ordentlich verffentlichen kn-
nen, eine solide Marketing-
Kampagne haben und es einen
langen Vorlauf mit konzentrier-
ter Werbung und Presse gibt.
Ich stelle das gerade zusam-
men. Ich habe begonnen, mit
Medien-Firmen zu sprechen. Es
ist wirklich nicht mehr so weit
weg, die Zeit bis dahin vergeht
schnell. Dann werden wir das
Album hoffentlich verffentli-
chen und 2016 hindurch bis ins
Jahr 2017 hinein in keiner be-
stimmten Reihenfolge in Sd-
amerika, Nordamerika und
Europa auf Tour gehen. 2017
werden wir natrlich wieder die
Marillion Weekends machen!
Wir wissen also wirklich was wir
von jetzt an bis 2017 tun.
Wie lange, glaubst Du, kann
die Band noch weiter machen?
Ich glaube die Band macht so
lange weiter, bis sie tot umfal-
len. Weil es ihnen Spa macht,
und weil sie das, was sie tun,
mgen. Wir mssen krperlich
vielleicht etwas langsamer ma-
chen. Das hngt von ihrer Ge-
sundheit ab. Aber solange sie
gesund sind, werden sie, denke
ich, weitermachen. Wir mssen
vielleicht auf komplett be-
stuhlte Konzerte umstellen, ein-
schlielich der Band! (lacht) Ich
hoffe, dass sie noch lange wei-
termachen knnen.
made again 71
Ich glaube die Band
macht so lange weiter,
bis sie tot umfallen.
,,


Du hast die Medien, insbeson-
dere die Presse, angesprochen.
Es gibt wieder mehr Genres,
die ber Marillion berichten.
Bei den Zeitschriften gibt es
Classic Rock Mag und Prog
Mag. Inwiefern haben Maril-
lion davon profitiert?
Ich bin mir nicht wirklich sicher,
ob wir davon profitiert haben
oder nicht. Es ist schn, dass es
ein Magazin wie Prog gibt, das
ber uns schreibt. Bevor es
Prog gab, waren wir nicht in
Zeitschriften wie Q oder Mojo.
Sie mochten uns aus irgendei-
nem Grund nicht. Die Medien
mgen Marillion nicht beson-
ders. Ich glaube allerdings auch
nicht, dass die Medien irgend-
jemanden mgen, es sei denn
man ist ein Superstar. Wenn
man ber die Musikpresse
nachdenkt, dann stellt sich die
Frage, ob sie berhaupt noch
existiert. Ich bin mir nicht si-
cher. Kaufen die Leute jeden
Monat das Q Magazine? Ich
denke nicht, dass sie es tun. Ein
Groteil luft meiner Meinung
nach ber Online-Medien.
Umgekehrt luft es bei Classic
Rock und Prog aber gut.
Ja, sie wachsen, weshalb es toll
ist, von ihnen untersttzt zu
werden.
War es gut, von Anfang an mit
im Boot gewesen zu sein? Ich
glaube, Marillion waren eine
der ersten Bands, ber die be-
sonders berichtet wurde.
Das ist nett.
Wie ist die Presseberichterstat-
tung im weltweiten Vergleich?
Wenn sie in Sdamerika spie-
len, dann kriegen sie viel Be-
richterstattung in der Presse.
Wenn sie beispielsweise in
Mexiko spielen, dann hat h nor-
malerweise ein Interview mit
der grten Zeitung dort. Ver-
gleiche das mal mit London. Der
London Evening Standard
wrde nicht ber uns berichten.
Ich bezweifle stark, dass es sie
interessieren wrde. Die Reso-
nanz in Sdamerika ist also ge-
waltig. Die amerikanische
Presse scheint sich leider nicht
fr uns zu interessieren. Nur die
Nischen-Sachen tun das, wofr
wir aber dankbar sind.
In Holland hatten wir frher
viel mehr Presseresonanz. Man
scheint in Holland nicht mehr
von uns zu schwrmen, was
schade ist. Es kann in Europa
allgemein sehr schwer sein, In-
terviews in die Presse zu brin-
gen, weshalb die Band sich, um
ehrlich zu sein, in Sdamerika
verliebt hat. Sie kriegen sehr
viel Presse. Sie kriegen viel Ra-
dio- und Medienprsenz. Sie
kommen am Flughafen an und
da warten dann hundert Fans
auf sie. Sie spielen vor 4000
Leuten pro Abend und lieben
das logischerweise. Ich
wnschte, es wre hier auch so.
Ich wnsche mir, dass Marillion
in Europa nicht vllig ignoriert
wrden. Die Band macht aber
einfach kein groes Aufsehen
darum und tut ihre Arbeit. Wenn
wir Presse kriegen, dann ist es
ein Bonus. Wir haben schon vor
Jahren gelernt, nicht davon ab-
hngig zu sein.
Wie steht es mit CD-Verkufen
in Sdamerika? Als Rush nach
Rio gingen, hatten sie keine
groen Erwartungen, da sie
dort kaum einmal eine CD
verkauft hatten. Sie waren
ziemlich perplex ber eine
derartige Resonanz, als sie
dort spielten.
Wir verkaufen nicht so viele CDs
ber Racket Records. Wegen
des Wechselkurses und der
Zollgebhren ist es fr Fans aus
Sdamerika recht teuer. Viele
Jahre lang wurde in diesen Ln-
dern kein Album verffentlicht,
abgesehen von der Best
Sounds CD, die krzlich verf-
fentlicht wurde. Ich kann Dir
nicht sagen, wie gut sich die
verkauft hat, da ich die Zahlen
noch nicht gesehen habe, da
sie erst vor kurzem raus kam.
Die Plattenfirmen, die das abwi-
ckelten, waren aber sehr zufrie-
den. Sie haben, glaube ich, viel
auf iTunes verkauft. Sie haben
sicherlich viele CDs als Exporte
an Fans weltweit verkauft, die
Sammler sind. Wenn ich also
die Zahlen kriege, dann wird es
schwer sein, zu sagen, wie viele
wir in Chile und Brasilien oder
wo auch immer verkauft haben,
da viele Exporte dabei waren.
Finanziert sich die Sd-
amerika-Tour von selbst?
Ja. Die zwei Sdamerika-Touren
liefen so, dass der Agent, Paulo,
uns ein finanzielles Angebot
einschlielich Flgen und Ho-
tels gemacht hat. So ist es ein-
fach zu kalkulieren, da wir nur
die Crew und Nebenkosten be-
zahlen mssen. Dabei gibt es
zwar keinen riesigen Gewinn,
aber das ist es wert, da er jedes
Mal wenn sie hingehen grer
wird. Ich bin davon berzeugt,
dass sie, wenn wir wieder hin-
gehen, dann in greren Are-
nen spielen knnen. Und dann
ist da wieder der Punkt, dass
Du, wenn Du lter wirst (ich ent-
schuldige mich bei der Band,
sollte einer von ihnen das le-
sen!), dass Du solche Erfahrun-
gen machen willst. Du willst sol-
che Erinnerungen. Du liest in
den sozialen Medien, dass alle
72 made again


Fans sagen, dass sie ein tolles
Marillion-Weekend hatten und
so wunderbare Erinnerungen
fr den Rest ihres Lebens ha-
ben. Und der Band geht es eben
genauso. Das ist es, was sie
wollen, und sie wollen noch
mehr davon hinzufgen. Die
australischen Fans sagen im-
mer: ,,Bitte kommt nach Aus-
tralien . Glaub mir, wenn es
finanziell machbar wre, dann
wrde ich sie das gerne tun las-
sen. Die Band wrde sehr gerne
dort spielen, da sie noch nie
dort waren. Was fr ein Erleb-
nis! Es gibt immer solche Orte,
wo sie noch nie gewesen sind,
aber sehr gerne hingehen wr-
den.
Letzten Endes hngt jedoch
alles von den Zahlen ab, davon,
ob es finanziell machbar ist.
Manchmal wird man dabei
kein Geld verdienen: wie bei
,,Cropredy dieses Jahr. Wir
haben bei Cropredy nach Abzug
aller Kosten sehr wenig ver-
dient, aber es hat sich wegen
der mglichen Publicity ge-
lohnt. Manchmal wirst Du also
kein Geld verdienen, aber auch
kein Geld verlieren, weshalb
sich das Risiko lohnt. Das ist
also das Mantra, nach dem wir
leben. Wir mssen natrlich
aber auch einige Dinge tun, fr
die wir gutes Geld bekommen,
um das auszugleichen.
Plattenfirmen: Welche Rolle
spielst Du dabei, das Album in
die Lden und an die Leute zu
bringen?
Im Prinzip nur, alles mit der
Plattenfirma zu koordinieren.
Sicherzustellen, dass sie die
bestmgliche Arbeit tun. Sie
schicken mir zum Beispiel eine
E-Mail, in der sie mir schreiben,
was sie vorhaben, und fragen
mich nach meiner Meinung
dazu. Solche Dinge.
Was ist Deine Aufgabe bei den
Marillion Weekends?
Wie Du weit, ist die liebens-
werte Stephanie Bradley fr alle
Buchungen verantwortlich.
Meine Aufgabe ist es, die geeig-
neten Leute einzustellen und
sie ihren Job machen zu lassen.
Ich berwache einfach alles und
halte die Finanzen unter Kon-
trolle. Da ist ein ganzes Team
von Leuten, die den Aufbau des
Zelts planen, dessen Errichtung,
wie Du weit, eine sechsstellige
Summe kostet. Das muss also
jemand berwachen und pla-
nen, wo die Bars, Bhne, Ver-
spannungen, Scheinwerfer usw.
hinkommen. Dann arbeiten wir
alle zusammen an Ideen fr das
Merchandising. Wir haben ein
Team von Verkufern in Hol-
land, die alles unter die Leute
bringen. Ich mag meinen Job
irgendwie, da ich berall die
Finger drin habe. Es kann aber
auch zu viel werden, wenn alle
zur gleichen Zeit Deine Meinung
zu dem, was sie gerade vorha-
ben, hren wollen. Haben wir
noch zustzliches Geld dafr?
Bei jedem Marillion Weekend
gibt es etwas, das wir unter-
schtzt haben. Das wird uns
nicht nur ein paar hundert son-
dern 10.000 Pfund kosten. Des-
halb schiebe ich immer mindes-
tens 10.000 Pfund fr diverse
Dinge in mein Notfall-Budget,
und ohne Zweifel werden die
auch jedes Jahr gebraucht.
Wie wichtig sind die Marillion
Weekends finanziell?
Sehr wichtig. Holland und
UK sind finanziell eine zwin-
gende Notwendigkeit. In
Montreal verdienen wir leider
made again 73
Weekend-Spa mit Stephanie Bradley


nicht mehr viel Geld. Wir wissen
nicht warum. Wir hoffen, den
Trend dieses Jahr zu brechen.
Wir mssen aber mindestens
noch 300-400 Karten verkaufen,
damit es sich finanziell lohnt.
Wie sieht es bei den DVDs,
Blu-rays usw. aus, die von den
Marillion Weekends erschie-
nen sind?
Wir scheinen davon immer die
gleiche Zahl zu verkaufen. Wir
sehen keinen Anstieg oder
Rckgang. Wir wissen also, wie
viel es kostet, zu filmen, zu mi-
xen und dann die DVD herzu-
stellen. Wir wissen deshalb, wie
viel Geld wir mit diesen Verf-
fentlichungen verdienen wer-
den. Wir sind dafr auch sehr
dankbar.
Werdet Ihr nach diesem
Muster weitermachen? Werdet
Ihr weiterhin filmen?
Unser Plan fr die 2015 Maril-
lion Weekends 2015 ist, weder
in Montreal noch in den UK zu
filmen. Wir werden alle Zeit und
Anstrengungen auf Holland
konzentrieren. Wir werden alle
3 Abende filmen. Vor allem der
Samstagabend wird wirklich
spannend werden. Ich kann
Euch nicht sagen, was es ist,
aber wir haben sehr viel Geld
fr die Produktion ausgegeben.
Es wird unglaublich sein. Wir
werden alle drei gleichzeitig in
einem Boxset verffentlichen.
Das wird aber erst sehr lange
nach dem Event sein, da Mike
Hunter mit dem neuen Album
beschftigt sein wird. Vermut-
lich 12-18 Monate spter. Wir
werden aber auch eine Film-
Crew haben, um die Essenz des
Wochenendes einzufangen. Sie
werden den ganzen Backstage-
Kram filmen, den sonst keiner
von Euch sieht. Sie werden eine
kleine Dokumentation darber
machen. Bei einer separaten
Verffentlichung werden wir die
10 besten Songs des Wochen-
endes ber einen Dokumentar-
film verteilen. Das wird irgend-
wann herauskommen. Das ist
also sehr aufregend. Wir haben
das bisher noch nicht gemacht,
und es ist deshalb eine sehr in-
teressante Herangehensweise.
Zum letzten Mal wurde so et-
was bei der Marbles-Tour ver-
sucht (Colours and Sounds).
Ja, aber es wird viel besser. Es
wird schmissig und interessant
werden. Tim Sidwell wird es ma-
chen. Es wird also groartig
werden. Wir freuen uns schon
darauf.
Eine brennende Frage, die ge-
stellt werden muss: Wie ein-
fach ist es, von der Band eine
Entscheidung zu bekommen?
(Lacht) Gute Frage, Andy. Das
hngt davon ab, wie strittig die
Sache ist. Manchmal folgen wir
der Mehrheitsentscheidung, es
sei denn, die Minderheit ist ve-
hement dagegen, da das nicht
fair ist. Aber wenn sie mit dem
Strom schwimmen, dann ge-
winnt die Mehrheit. Aber was
ihre Antwort auf E-Mails an-
geht, so kann es Tage dauern,
bis ich von ihnen eine direkte
Antwort bekomme. Was ich b-
licherweise mache, wenn sie da
sind, ist, dass ich, wenn sie mit
Jammen fertig sind, runter
renne und sage: ,,OK, alle hier-
bleiben! Ich muss 10 Minuten
mit Euch reden . Dann stelle ich
ihnen die Fragen. Wenn alle zu-
stimmen, denke ich mir: Gut
so! Dann gehe ich zurck nach
oben in mein Bro und setze
es in die Tat um. Manchmal
habe ich eine Idee von einer
Aktion im Kopf, wo ich wei,
dass ich dafr sehr lange Nach-
forschungen anstellen muss. Da
ist es dann besser, einfach ein-
mal prinzipiell zu fragen, ob sie
die Idee hassen. Denn wenn sie
sie hassen, dann wre es Zeit-
verschwendung, damit weiter
zu machen. Sie werden, wenn
sie das hier lesen nicht sagen:
,,Wie kommt sie dazu, das zu
sagen! Sie wissen, dass es die
Wahrheit ist.
Gab es jemals etwas, das die
ganze Band wollte, Du aber
nicht?
Happiness Is The Road, als wir
das Album auf den Torrent-Sei-
ten hergaben. Ich war total da-
gegen und wollte es nicht tun.
Die Band wollte es aber wirk-
lich. Also habe ich sie dabei un-
tersttzt, weil ich es musste,
habe aber recht klar gemacht,
was ich davon hielt. Glcklicher-
weise kommen solche Dinge
aber nur recht selten vor.
Musstest Du jemals Schlichter
spielen bei einer Art von Ent-
scheidung, wo es darum ging,
ob die Band sich trennt oder
zusammen bleibt?
Ja, ich versuche zu schlichten
und beide Seiten zu sehen. Das
Problem ist, dass jeder so pas-
sioniert ist. Und als Musiker
sind sie das noch ganz beson-
ders. Manchmal sagt einer et-
was, das einen anderen wirklich
verrgert, und es war ber-
haupt nicht seine Absicht. Oder
sie haben jemand anderen ver-
rgert und wollten es auch.
Dann gehe ich dazwischen und
versuche das Problem zu lsen,
vor allem, wenn ein Streit ber
E-Mails beginnt. Wir alle wis-
sen, dass man eine E-Mail leicht
74 made again


BERSETZUNG:
STEPHANIE JRGENS-JRGER
DR. ANDREAS JRGER
falsch verstehen kann. Sie sind
aber sehr gut darin, Knatsch zu
haben und das dann wieder zu
klren. Sie sind erwachsene
Mnner und haben das schon
eine lange Zeit gemacht. Die
schlechte Stimmung verfliegt in
der Regel schnell wieder.
Es laufen gerade viele Solo-
Projekte. Steve Rothery macht
mit Kickstarter das Steve
Rothery Band Album. Das
Tagebuch von h ist in Buch-
form erschienen. Pete hat an-
dauernd viele musikalische
Nebenprojekte laufen. Was ist
Deine Aufgabe dabei?
Ich helfe h, seine Konzerte zu
buchen. Ich habe ihm bei sei-
nen Tagebchern geholfen und
sie vor der Verffentlichung ge-
lesen, um sicherzustellen, dass
nichts besonders Beleidigen-
des dabei war. Bei Pete und
Steve Rothery habe ich speziell
nichts gemacht, aber sie wis-
sen, dass ich fr sie da bin,
sollten sie schnell Fragen ha-
ben. Steve Rothery hat die Kick-
starter-Sache ganz alleine ge-
macht. Der Arme ist im Moment
sehr erschpft. Die Sache ist,
dass ich bei Marillion angestellt
bin und deshalb nicht sehr viel
Zeit auf ihre Solo-Sachen ver-
wenden kann. Ich werde aber
immer da sein, um Rat zu ge-
ben.
Vielen Dank, Lucy.
l


Da ich im Grunde die
,,herangefhrte Partnerin
eines Fans bin, sehe ich das
Marillion Weekend Kanada
als einen Bestandteil unter
anderen innerhalb eines beson-
deren Urlaubs. Deshalb ist
dieser Bericht auch zum Teil ein
Reisebericht und ein bisschen
anders als das, was sonst hier
im Magazin geschrieben steht.
Die Planungen unserer gro-
en Reise begannen schon
etwa ein Jahr vorher. Wir vier,
also Gabi und Dirk (Aasgeier),
Christian (Milchmann) und ich,
waren uns einig, dass wir das
Weekend nur in Verbindung mit
Urlaub und einer Rundreise an-
gehen wollten. So trafen wir
uns mehrfach, um Zeitraum, die
Route und die Hotelauswahl zu
besprechen.
Als Kanada-,,Vorgeschmack
war natrlich Holland Pflicht. Es
war wieder wunderschn, ich
kam mir ein weiteres Mal vor
wie in einer groen Familie.
Viele Leute kenne ich schon mit
Namen, noch viel mehr vom Se-
hen... (,,Schiete, wie hie die
denn noch... ). In Holland ha-
ben wir auch alles ,,was man so
braucht beim Merchandise ge-
kauft, da man ja in Kanada aufs
Koffergewicht achten musste.
Da war dann nur noch das offi-
zielle Shirt Pflicht.
Dann kam der 22. April, Rei-
sebeginn. Unser Flug ging am
23. erst von Dsseldorf nach
Frankfurt und von dort nach
Montreal. In Frankfurt trafen wir
Marillions ,,Leib-Fotografen
Stefan Schulz, der im selben
Flieger sa. Von ihm erfuhren
wir auch vom Vortreffen im
,,Brutopia , einer Szenekneipe
mit selbstgebrautem Bier in
Montreal, in der auch an den
Weekendtagen nachmittags Co-
verbands auftreten wrden. Na-
trlich sind wir dann trotz M-
digkeit abends noch hin und
sahen schon mal ein paar be-
kannte Gesichter. Es war zwar
dort sehr eng und laut und
Christian war der Meinung,
dass sie das Bierbrauen aber
noch mal ben sollten.
Zu den drei Konzertabenden
verweise ich auf den nachfol-
genden Bericht von Christian.
Auf alle Flle war die Stimmung
riesig, obwohl die Halle nicht
ausverkauft war. Mit Holland
vergleichen kann man das
Ganze nicht, es fehlt das Week-
end-Feeling von morgens bis
abends mit Gleichgesinnten in-
nerhalb des CenterParcs. Aller-
dings hatte dafr die Location
in Montreal mehr Flair als das
76 made again
Dirk
Gabi
Heike
Christian
8 gute Grnde, nach
Kanada zu reisen
M A R I L L I O N
W E E K E N D
2 0 1 5


Zelt. Bei Spaziergngen konn-
ten wir schon mittags in Decken
eingehllte, vorm Eingang War-
tende bemitleiden, denn die
Temperatur war zu Beginn unse-
rer Reise nur wenig ber dem
Gefrierpunkt. Das sollte sich al-
lerdings noch gewaltig ndern.
Nachdem die drei Tage na-
trlich viel zu schnell vorbei wa-
ren, hatten wir noch einen Tag
zum Luftholen in Montreal und
dann begann am Dienstag, den
28.4. die Rundreise. Das Miet-
auto wurde geholt und dann
ging`s ab nach Kingston. Unser
Hotel lag in einem Einkaufsvier-
tel mit Outlet-Center, und so
war erst mal Shoppen angesagt.
Auerdem machten wir von
dort aus eine sehr schne
Bootstour zu den ,,Thousand
Islands , von wo tatschlich
das Dressing-Rezept stammen
soll.
Die Fahrt ging dann am
Lake Ontario vorbei weiter nach
Toronto. Mein subjektiver Ein-
druck war, dass die Innenstadt
Torontos interessanter und
auch besser in Schuss war als
die von Montreal, wo manches
ziemlich schbig aussah. Wenn
Steve H. also von Montreal
schwrmt, hat er womglich
Toronto und erst recht nicht
Ottawa gesehen, was spter
auf unserem Programm stand.
Abends speisten wir standesge-
m im Hard Rock Caf und
sollten uns ein Musikvideo wn-
schen... Ihr ahnt es schon... nix
von Marillion da...
Unsere Sightseeing-Tour
tags darauf ging zum CN Tower.
Im Fahrstuhl wurde mir schon
etwas mulmig; dort waren 2
Glasplatten im Boden eingelas-
sen - ich war froh, als ich wie-
der raus konnte. Der Ausblick
hat allerdings voll entschdigt,
obwohl ich das Gefhl hatte,
dass alles da oben gewackelt
hat. Laut Christian war das aber
das ,,Prinzessin-auf-der-Erbse-
Syndrom...
Dann ging es weiter zu den
Niagarafllen. Man wei zwar,
dass dort schon mchtig in die
Natur eingegriffen wurde. Trotz-
dem ist es gewaltig und be-
eindruckend und vor allem laut
und nass, wie wir s in unseren
knallroten Regenmnteln bei
der obligatorischen Bootstour
erleben konnten. Der Wind
peitsche uns feuchten Nebel ins
Gesicht. Es war neben den fal-
lenden Wassermassen noch Eis
zu sehen, obwohl es mittler-
weile 20 Grad warm war.
Im Anschluss stand Midland
auf dem Reisezettel. Da es jetzt
tglich wrmer wurde, gnnten
wir uns einfach nur einen ruhi-
gen Tag am See und fuhren tags
drauf weiter ins verschlafene
Huntsville. Hier hatten wir als
Intermezzo unseren einzigen
Regentag und verbrachten ihn
im hoteleigenen Schwimmbad.
Unser Weg fhrte uns nach-
folgend in den Algonquin Park.
Hier stand vor allen Dingen
Wandern auf dem Plan. Wir sa-
hen auer den zum Teil berra-
schend kranken Wldern und
den vielen Lakes auch die eine
oder andere Stromschnelle und
kleinere Wasserflle. Von
Elchen, Bren oder Wlfen
sahen wir allerdings nur Fu-
abdrcke oder das, was hinten
raus kommt... Vielleicht auch
ganz gut so, man wei ja nicht,
wer im Ernstfall schneller luft.
In der Touristeninformation war
ein kleines Museum, und selbst
ausgestopft wirkten die Tiere
noch gefhrlich.
Unser letztes Ziel war dann
Ottawa. Bei inzwischen ber
30 Grad durchstreiften wir das
schnste Stadtviertel unserer
Reise, mit sehr hbschen alten
Gebuden, viel Grn und
Straencafs.
Abschlieend mchte ich
sagen, es war ein sehr besonde-
rer und schner Urlaub, den wir
ohne Marillion und das Week-
end dort ganz sicher nicht ge-
macht htten.
Dies waren Ausschnitte aus
meinem Reise-Tagebuch und
hoffentlich auch fr Euch ein
wenig lesenswert. Auer bei
meinem Milchmann mchte ich
mich besonders bei Gabi und
Dirk bedanken; es war vor allen
Dingen auch Euretwegen ein
toller Urlaub. Mit Euch immer
wieder!!
Heike Klhn
made again 77


FREITAG, 23.4.
Gleich zu Beginn machte ich
aus Unwissenheit einen in
Kanada unverzeihlichen Feh-
ler: Es klebten auf der Theke
Zettel mit dem Hinweis, dass in
den ohnehin schon heftigen
Getrnkepreisen kein Trink-
geld enthalten sei, 10 Prozent
aber obligatorisch zustzlich
zu entrichten wren. So prellte
ich mehrfach die Trinkgeld-
zeche, bevor ich mir das
irgendwann mal durchlas.
Die nchste Enttuschung
war dann allerdings auf meiner
Seite: Dem fr Freitag Abend
gebuchten Opener Casey
McPherson war, wenn ich es
richtig verstanden habe,
wegen eines lange zurcklie-
genden Vergehens die Einreise
nach Kanada verwehrt worden.
Speziell auf ihn hatte ich mich
besonders gefreut, hatte er
doch als Frontmann der Flying
Colors mit Second Nature aus
meiner Sicht das Album des
Jahres 2014 abgeliefert. Kurz-
fristig sprang dafr Petes Ne-
benprojekt-Partner Eric Black-
wood ein. Na ja... war ja nett,
dass er sich spontan bereiter-
klrt hat... Kommen wir lieber
zum Hauptprogramm!
Bevor Marillion mit ihrem
Freitag-Album loslegten, woll-
ten sie dem kanadischen
Publikum mit Montreal gleich
zu Beginn ein besonderes
Schmankerl bieten, aber leider
78 made again
Dann will ich mal den
Marillion-Teil unseres
Urlaubs ein wenig
ergnzen:
Das ,,L Olympia , in dem
ja bereits zum dritten
Mal das Kanada-Week-
end stattfand, ist ein
ehemaliges sehr sch-
nes Theater, im oberen
Rang bestuhlt. Beson-
ders schn ist hier aber,
dass auch unten alle
Stehpltze stufenweise
angeordnet sind, so
dass man von berall
einen guten Blick aufs
Geschehen hat. Das er-
innert ein wenig an die
allseits beliebte Ham-
burger Markthalle, auch
wenn die um einiges
kleiner ist.
WEEKEND
MONTREAL
IM
LOLYMPIA


setzte mitten im Song die
Technik aus... Man versprach,
den Song am Sonntag noch
einmal zu probieren und ver-
lie kurz die Bhne. Damit wa-
ren dann aber auch gleich am
Anfang alle Pannen abgearbei-
tet. Ab jetzt lief`s rund!
Anoraknophobia gehrt
sicher nicht zu den strksten
Alben, aber live ist es natrlich
immer eine andere Geschichte!
Gerade Between You And Me
geht als Anheizer immer! So
waren die etwa 1.700 zahlen-
den Gste aus aller Welt trotz
der Panne sofort wieder bei
Stimmung. Der Hhepunkt des
Freitagabends aber waren fr
mich mit TSE und Gaza die bei-
den Zugaben, diese Kunst-
werke sind nmlich zwei mei-
ner Top-Drei-Marillion-Songs.
Bin eben eine alte Prog-Nase...
Wenn man das Abschlussgeju-
bel des Publikums als Ma-
stab nimmt, knnten auch
noch andere meiner Meinung
gewesen sein!
Die Lightshow an diesem
Abend war noch zurckhal-
tend, bild- und filmtechnisch
tat sich auch noch nicht viel,
aber das kam ja noch.
SAMSTAG, 24.4.
Da wir auch tagsber einiges
in Montreal unternahmen,
schafften wir es heute ebenso
wenig wie am letzten Abend,
die Vorbands zu erleben.
Der Marbles-Abend begann
genau wie in Holland mit dem
intensiven Intro, bei dem sich
allmhlich h`s Gesicht in Nah-
aufnahme abzeichnet und er
dann die ersten Textzeilen des
unsichtbaren Mannes mit star-
ker schauspielerischer Mimik
zum Besten gibt. berhaupt
wird heute, wie auch bei den
anderen Weekends, eine Light-
und Lasershow vom Feinsten
abgezogen, auch auf den Lein-
wnden spielt sich viel mehr
ab, z.B. wird einiges aus dem
Marbles-Artwork gezeigt. Mit
dem Invisible Man war dann
auch gleich schon der letzte
Song meiner Top 3 abgehan-
delt, wobei ich ihn, ebenso wie
Neverland, ein wenig zu oft
made again 79


gehrt habe. Aber so ist das
nun mal, wenn man stndig
auf Konzerten herumlungert.
Da freute ich mich mehr auf
die seltener gespielten Perlen
wie zum Beispiel Genie, oder
auf das oft unterschtzte
Drilling Holes. Hhepunkt aber
war sicher an diesem Abend
ein perfekt gespieltes und mit
der Hintergrund-Show perfekt
getimtes Ocean Cloud. Die Zu-
gaben Out Of This World, King
und Sounds... konnten da
natrlich keine Stimmungs-
steigerung wie am Tag zuvor
bringen, aber die Halle kochte
sowieso! Wenn man allerdings
den Vergleich mit Port Zlande
anstellt, konnte die Licht- und
Bildershow nur den 2. Platz be-
legen, was auch logisch ist. Bei
dem extra nur frs Weekend
errichteten Zelt kann man alles
so, wie man es sich vorstellt,
installieren in einer normalen
Location hat man dagegen
immer mit Kompromissen zu
kmpfen. Trotzdem war meiner
Meinung nach auch in Kanada
der Samstag klar der beste
Abend.
SONNTAG, 25.4.
Nachmittags war wieder Swap
The Band angesagt, immerhin
sechs Songs standen auf dem
Programm, bei denen die ,,ein-
springenden Fans fr mich ih-
ren Part erstaunlich souvern
meisterten. Noch erstaunlicher
fand ich aber, dass drauen
Frontsue ( tschuldigung...)
schon fr abends anstanden,
als wir nachmittags reingin-
gen...
ZUM ABEND
Wie konnte man die heutige
Show beschreiben? Short
Songs? Nein, Man Of A 1000
Faces und diesmal ein fehler-
freies Montreal waren dabei.
Raritten? Nein, Kayleigh,
Lavender, Easter liefen.
Retro? Nein, See It Like A Baby
und Power wurden zum Bei-
spiel gespielt.
Es war jedenfalls ein Pro-
gramm mit zum Teil wenig ge-
spielten Stcken, bei dem sich
mehr oder weniger chronolo-
gisch von der Vergangenheit in
die Gegenwart vorgearbeitet
80 made again
W E E K E N D


wurde, teilweise begleitet von
Filmpassagen der alten EMI-
Videos. Auerdem wurden die
in der jeweiligen Zeit aktuellen
Marillion-Schrift-Logos einge-
blendet. Auch licht- und laser-
technisch ging an diesem
Sonntag einiges ab. Man
konnte ja schon auf Facebook
oder anderen Seiten Bilder be-
staunen. Einmal mehr schloss
Three Minute Boy das Pro-
gramm ab. Ich sage nur: Now
they scream!!
Und dann war s schon vor-
bei... Ich wei noch genau,
dass ich da stand und dachte:
,,Kann nicht wahr sein, wir sind
doch eben erst angekommen.
Es waren einfach zu viele
schne Momente und Ein-
drcke, die sich in dieser kur-
zen Zeit in den Schdel hm-</